Hamburger trauern mit den Angehörigen der Opfer

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Gedenkgottesdienst in der norwegischen Schifffahrtskirche. Konsul Morten Paulsen spricht von schlimmstem Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg

Hamburg. "Heute sind wir alle Norweger", steht in geschwungenen, blauen Buchstaben auf weißem Papier. Das Kondolenzbuch liegt in der norwegischen Schifffahrtskirche Hamburg aus. Bereits am Sonnabend war sie der Anlaufpunkt für viele Norweger und Hamburger, die die Ereignisse in Skandinavien nicht allein verarbeiten konnten und wollten. "Die Menschen hatten das Bedürfnis, sich hier auszutauschen", sagt die Gemeindemitarbeiterin Reidun Drews, 65. Traurig und schockiert klingen die Worte, mit denen sie ihre Gefühlslage beschreibt. "Aus der Trauminsel ist eine Hölle geworden."

Der norwegische Konsul Morten Paulsen hält die Tat für ein einschneidendes Erlebnis für die gesamte Nation. "In Norwegen gab es so etwas bis jetzt noch nie, das ist der schlimmste Angriff auf Norwegen seit dem Zweiten Weltkrieg. Was das für die Zukunft bedeutet, ist jetzt noch nicht zu sagen", äußerte er dazu am Wochenende in der ARD.

"Die heile Welt Norwegens ist kaputt", sagt Asmus Stensrud, 59, Vorsitzender des Den Norske Klubs in Hamburg. Er stammt aus einer kleinen Stadt, die genau zwischen Oslo und der Insel Utøya liegt. Er war selbst schon an beiden Orten. Bei jedem Besuch in seiner Heimat fährt er an der Insel vorbei - in Zukunft immer mit Traurigkeit. "Das wird einen ein Leben lang verfolgen", sagt der Vater von drei Kindern. Stensrud denkt, dass Norwegen sich verändern wird. "Nicht radikaler in der Kontrolle, aber wachsamer", sagt er. Schließlich seien die landestypischen Werte Freiheit und Akzeptanz zu schützen. "Deshalb ist es sehr wichtig, dass man aktiv damit umgeht", sagte dazu Konsul Paulsen. "Damit es nicht gelingt, die Gesellschaft zu ändern, denn das ist ja die Absicht, und das darf man nicht erlauben."

Thomas Rohde, 56, aus Altona reist kommende Woche nach Oslo. Es ist für Rohde bereits der 21. Skandinavienurlaub. "Ich mag das freiheitliche Lebensgefühl dort sehr", sagt er. Umso schlimmer sei es, dass genau dieses nun erschüttert wurde. Er ist zum norwegischen Konsulat gekommen, um Blumen für die Opfer niederzulegen. Aus Solidarität und aus Trauer, obwohl er nicht direkt betroffen ist. "Solidarität ist irgendwann auch emotional", sagt Rohde. Deswegen waren sie am Morgen auch schon bei einem Gedenkgottesdienst in der Schifffahrtskirche. Dort wirkte die Stimmung sehr gefasst. Der Sommervatikan Hans-Christian Borstadt begrüßte die Gäste auf Deutsch, predigte dann in Norwegisch und verlas die Stellungnahmen des Königs und des Premierminister des Landes.

Aber auch nach diesem Wochenende wird die Trauerarbeit weitergehen. Ab heute liegt dafür im norwegischen Konsulat in der Caffamacherreihe 5 ein Kondolenzbuch aus.