Seehofer kann sich Guttenberg als Nachfolger vorstellen

CSU-Chef attackiert Kritiker des Ex-Ministers

Berlin. Kaum einen Tag nach dem Rücktritt von allen politischen Ämtern wird Karl-Theodor zu Guttenberg bereits als Nachfolger von CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer genannt - von Seehofer selbst. "Ich kann mir alles vorstellen", sagte Seehofer auf die Frage, ob es aus seiner Sicht möglich sei, dass Guttenberg nach einer Zwischenzeit sein Nachfolger in einem der Ämter werden könne. Die Kommentare zur Affäre um Guttenbergs Doktorarbeit werden seinen Worten zufolge ein Nachspiel haben. Seehofer kündigte in Berlin an, die Bewertungen aus der Schwesterpartei CDU zur Affäre des zurückgetretenen CSU-Ministers müssten auf einem Krisengipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besprochen werden. "Es geht um die Stilfrage", sagte Seehofer.

Er stieß sich besonders an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der die Plagiatsaffäre als "Sargnagel" für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet hatte. Guttenberg soll sich bei Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages bedient haben. Seehofer erinnerte auch an Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie hatte erklärt, als ehemalige Doktorandin schäme sie sich für Verfehlungen Guttenbergs. "Das ist eine Sache zwischen der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin und mir. Da werden wir drüber reden", kündigte Seehofer drohend an.

Auch der Vorsitzende des Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte: "Wenn die beiden Wortmeldungen nicht gekommen wären, hätte ich sie nicht vermisst." Er möge es nicht, "wenn man in einer Fraktionssitzung, wenn der Kollege gegenüber sitzt, frenetisch applaudiert" und anschließend gegenüber Journalisten Kritik an ihm äußere. Außerdem solle man gerade dann zusammenstehen, "wenn ein Kollege in Bedrängnis ist".

FDP-Generalsekretär Christian Lindner nahm Schavan und Lammert in Schutz. Das Verhalten Guttenbergs "war ein erheblicher Vorgang, der uns hier beschäftigt hat, der auch geeignet war, die Reputation der Wissenschaft insgesamt infrage zu stellen", sagte Lindner im Deutschlandfunk.

Wer nach dem Amtsantritt von Hans-Peter Friedrich als Innenminister nun Landesgruppenchef der CSU wird, steht noch nicht fest. Das werde sich jetzt "sortieren", sagte Seehofer.

Guttenberg selbst teilte in einer Erklärung mit, er werde den Bürgern im Wahlkreis auf eigene Kosten in Kulmbach bis zum Jahr 2013 ein Bürgerbüro mit einer Vollzeitkraft zur Verfügung stellen. Er habe stets Wert darauf gelegt, seine Aufgaben mit dem höchsten Einsatz wahrzunehmen. "Wer allerdings aus bekannten Gründen mit seinem Engagement haushalten muss, kann diesem Anspruch nicht ausreichend gerecht werden und hat demzufolge auch die Verpflichtung, ein Mandat nicht lediglich als Karrieresteigbügel auf Steuerzahlerkosten zu behalten", teilte der Ex-Minister fest.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.