Kardinal fühlt sich in Hamburg bedroht

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Podiumsdiskussion mit Oscar Maradiaga wurde kurzfristig abgesagt

Hamburg. Er ist das Feindbild sozialistischer Gruppen, und deren Einfluss reiche bis nach Hamburg. Davon ist der honduranische Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga überzeugt. In Kuba und Venezuela beheimatete Linke hätten über einen Aufruf im Internet gedroht, die am gestrigen Freitag in der Katholischen Akademie in Hamburg geplante Diskussionsveranstaltung aufzumischen. Darauf hatte sein Gesprächspartner, der Journalist und Cap-Anamur-Komitee-Gründer Rupert Neudeck, seine Teilnahme abgesagt. Passenderweise hätten sie an diesem Abend über das Thema "Globalisierung der Solidarität" diskutieren sollen.

Der Kardinal wurde weltweit bekannt als Schirmherr der Entschuldungskampagne für arme Länder, die die katholische Kirche im Jahr 2000 gestartet hatte. Maradiaga, der als Multitalent gilt - er besitzt einen Pilotenschein, beherrscht neun Sprachen und hat neben Theologie auch Klavier und Komposition, Physik, Chemie und Wirtschaft studiert -, ist seit 2007 Präsident der Hilfsorganisation Caritas International.

In dieser Funktion stünden ihm 360 Millionen Euro für die Hilfe im Katastrophengebiet in Haiti zur Verfügung, berichtete er Freitag bei seinem Besuch in der Abendblatt-Redaktion. Das Geld stamme aus weltweiten Spenden der Caritas, doch der Großteil könne derzeit gar nicht verteilt werden. "Wir können die Summe nicht einfach der Regierung vor Ort geben", sagt der Kardinal. Aber an konkreten Projekten mangele es noch. Deshalb unterstütze die Caritas 2,5 Millionen Haitianer, die noch in Notcamps oder Zelten leben. Sie würden verpflegt und mit medizinischen Maßnahmen unterstützt. Selbst die Aufräumarbeiten seien fast ein Jahr nach dem Beben vom 12. Januar noch nicht abgeschlossen. Der kanadische Botschafter habe kürzlich gesagt, man benötige 1000 Lastwagen, die 1000 Tage nur den Schutt wegräumen müssten. "Aber Lastwagen habe ich dort immer nur einzelne gesehen", berichtet Christian Frevel von der Bischöflichen Hilfsaktion Adveniat, der den Kardinal in Deutschland begleitet.