"Chaos-Professor" Andreas Pinkwart verlässt die Politik

FDP-Vize aus Nordrhein-Westfalen geht wieder an Hochschule

Düsseldorf. Acht Jahre hat er den FDP-Landesverband in Nordrhein-Westfalen geführt, jetzt kehrt Andreas Pinkwart in die Wissenschaft zurück. Der gelernte Bankkaufmann und Diplom-Volkswirt arbeitete vor seiner politischen Laufbahn zuletzt als Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Siegen. Zum 1. April wird der 50-Jährige nun Rektor der Handelshochschule Leipzig. In seinen ersten Veröffentlichungen beschäftigte sich der Ökonom Pinkwart mit dem Thema "Chaos und Unternehmenskrisen", was ihm in den Medien auch den Titel des "Chaos-Professors" einbrachte.

Zwar will er weiter in der FDP bleiben, deren Mitglied er seit 30 Jahren ist, doch für die aktive Politik steht er nicht mehr zur Verfügung: Er will vor seinem Wechsel nach Leipzig alle Ämter zurückgeben, auch das des stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden.

FDP-Chef Guido Westerwelle bedauerte das Ausscheiden von Pinkwart aus der aktiven Politik "persönlich sehr". "Ich habe mit ihm viele Jahre als Landesvorsitzender und als stellvertretender Bundesvorsitzender hervorragend zusammengearbeitet", erklärte Westerwelle in Berlin. Als mögliche Nachfolger gelten Fraktionschef Papke und der Generalsekretär der Bundespartei, Christian Lindner.

Pinkwarts Wahl zum Chef der NRW-FDP war 2002 eine faustdicke Überraschung. Als der damalige FDP-Landeschef Jürgen W. Möllemann wegen der Affäre um ein antisemitisches Flugblatt und illegaler Parteispenden in die Kritik geriet, ging Pinkwart in seiner damaligen Rolle als Landesvize als einer der ersten Liberalen klar auf Distanz zu Möllemann. Auf dem Landesparteitag im Dezember 2002 trat Pinkwart spontan als Möllemann-Nachfolger an - und setzte sich durch. Als Landesvorsitzender führte er die FDP 2005 nach Jahrzehnten in der Bedeutungslosigkeit mit dem Wahlsieg von Schwarz-Gelb zurück an die Regierung.