Kandidat wider Willen

Spekulationen um Verteidigungsmininister zu Guttenberg beunruhigen die Union - und den Minister

Berlin. Die Spekulationen über einen Aufstieg von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zum Kanzler und CSU-Vorsitzenden sorgen für Unruhe in der Union. Im "Spiegel" äußerte sich Guttenberg erschrocken darüber, dass ihm von Bürgern und Medien angesichts des Umfragetiefs der Union so viel zugetraut wird. In solchen "Retter-Betrachtungen" liege immer "die Gefahr der Überschätzung". Derartige Berichte seien "Mumpitz", meinte Guttenberg.

Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte eindringlich vor weiteren Diskussionen über die Konsequenzen einer möglichen Niederlage bei der Landtagswahl im März in Baden-Württemberg. Merkel sagte am Sonnabend auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Potsdam: "Wir sind hier nicht im theoretischen Physik-Labor, sondern wir sind fünf Monate vor entscheidenden Landtagswahlen." Die Kanzlerin räumte ein: "Wenn ich die Zeitung aufschlage, dann wird man manchmal ganz nervös." In den vergangenen Tagen war von einem möglichen Rückzug Merkels im Falle einer Wahlniederlage der CDU in Baden-Württemberg die Rede gewesen. Der "Bild"-Zeitung zufolge gilt der beliebte Guttenberg für diesen Fall als "Kanzler der Reserve". Zuvor schon hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" geschrieben, in der Union würden schon Szenarien für die Zeit nach Merkel "in Umlauf gebracht". Dabei sei vor allem von Guttenberg die Rede.

Der Verteidigungsminister sagte nun dem "Spiegel", solche Berichte seien "bizarr". Er äußerte zudem Zweifel, ob er überhaupt für längere Zeit in der Politik bleiben werde. Er verspüre keine "Lust des Klammerns" an dem, was er habe. Im Gegenteil sei "die Lust, andere Brücken zu bauen" in letzter Zeit größer geworden.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer wandte sich derweil gegen Spekulationen über einen angeblichen Machtkampf mit Guttenberg. "Das ist alles Käse", sagte Seehofer. Es könne einem Parteivorsitzenden gar nicht besser passen, als dass es ein breites "Wurzelgeflecht" an jungen, guten Leuten gebe. Schließlich habe er Guttenberg entdeckt und gefördert.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis warnte davor, den Verteidigungsminister für immer neue Ämter ins Gespräch zu bringen. Man könne "einen Mann ja auch sehr schnell kaputt schreiben". Der Vizechef der Unions-Fraktion im Bundestag, Günter Krings (CDU), zeigte sich verärgert über die Kanzler-Spekulationen: "Das sind doch Spinner, die sich solchen Gedankenspielen hingeben."