Angeschlagener Diakonie-Präsident gibt auf

Klaus-Dieter Kottnik tritt offiziell aus gesundheitlichen Gründen vom Amt zurück

Berlin. Vielleicht hat sich Klaus-Dieter Kottnik als Präsident des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland zu viel zugemutet: Gut dreieinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt gibt der 58-Jährige aus gesundheitlichen Gründen das Amt auf. Der Schwabe verlangte dem evangelischen Wohlfahrtsverband seit Februar 2007 einen tief greifenden Reformprozess ab, der auch beim Präsidenten selbst seine Spuren hinterließ. Zuletzt war der evangelische Theologe nicht nur gesundheitlich, sondern auch als Autorität angeschlagen.

Vor wenigen Wochen hatte Kottnik zwei wichtige Vertraute seines Netzwerks verloren. So trennte er sich im August von seinem persönlichen Referenten Walter Merz, nachdem bekannt geworden war, dass dieser als leitender Angestellter der Diakonie ein Jahr lang zugleich Partner einer Beratungsfirma war, die auch die Diakonie beriet. Kottnik hatte zwar nach eigenen Angaben von Merz' Funktion in der Unternehmensberatung nichts gewusst, doch sein Ansehen nahm Schaden.

Hinzu kam, dass die Geschäftsführerin des Stuttgarter Beratungsunternehmens, Christiane Dithmar, seit Jahren in engem beruflichen Kontakt zu Kottnik stand. Sie hatte ihn schon beraten, als er Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten war. Kottnik leitete das diakonische Unternehmen, bevor er 2007 das Amt des Präsidenten beim diakonischen Bundesverband antrat.

Kaum war der Theologe in das Spitzenamt gewählt, startete er einen groß angelegten Reformprozess. Der bisweilen gemächliche Verband sollte schlanker und in Berlin schlagkräftiger werden. Ziel war außerdem - und ist es noch immer -, den Sozialverband mit dem in Bonn ansässigen Evangelischen Entwicklungsdienst zu fusionieren. Für den gewaltigen Umbauprozess nahm die Diakonie die Dienste von Dithmar & Partner in Anspruch.