Wirtschaftsminister erntet die ersten Gen-Kartoffeln

Greenpeace wirft Rainer Brüderle (FDP) Lobbyismus vor

Zepkow/Berlin. Auf 15 Hektar ist die umstrittene Knolle herangereift, sie trotzte der Sommerhitze und Protestaktionen von Gentechnik-Gegnern. Nun ist Erntezeit für die von einer BASF-Tochter zur Stärkegewinnung und nicht zum Verzehr entwickelte Kartoffel namens Amflora.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat bei der Ernte der ersten Knollen selbst mit Hand angelegt. Zusammen mit dem BASF-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrecht holte er sie gestern in Zepkow in Mecklenburg-Vorpommern aus der Erde.

Brüderle erklärte, in der Zukunft verspreche die Pflanzenbiotechnologie Lösungen für viele große Herausforderungen, wie zum Beispiel die ausreichende Bereitstellung nachwachsender Rohstoffe. Die deutsche Industrie spiele dabei international in der ersten Liga mit. "Auch in Zukunft wollen wir mit diesen innovativen Technologien an der Weltspitze bleiben", sagte der Wirtschaftsminister.

Die Grünen warfen dem Minister daraufhin vor, er betätige sich "als Erntehelfer der Gentechnik-Lobbyisten". Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von Greenpeace, sagte, die BASF zeige mit dieser Ernteaktion, wie stark ihr Einfluss auf die Politik sei. Brüderle erscheine zu einem Medientermin, um seine Unterstützung für eine gesellschaftlich unerwünschte und überflüssige Gen-Pflanze zu signalisieren. "Neben der Atomkraft setzt sich die FDP hier für eine weitere veraltete und riskante Technik ein."