Chronologie einer tragischen Selbsttäuschung

Duisburg. Die Stadt Duisburg wollte die Loveparade unbedingt haben - und hat entgegen aller Warnungen bis zuletzt darum gekämpft.

Juni 2007: Der Duisburger Stadtrat spricht sich für die Loveparade 2010 in der Ruhrmetropole aus und fordert Oberbürgermeister Sauerland zur Vertragsunterzeichnung mit dem Veranstalter auf. Wenige Tage später unterschreiben die Stadt und die Lopavent GmbH den Rahmenvertrag.

Februar 2009: Der Duisburger Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg (CDU) fordert die Absetzung des damaligen Polizeichefs Rolf Cebin, nachdem dieser vor den "eklatanten Sicherheitsmängeln" der Veranstaltung gewarnt hatte.

Januar 2010: Kommunalpolitiker warnen angesichts des Kulturhauptstadtjahres vor einem enormen Imageschaden, sollte die Loveparade ausfallen.

18. Juni 2010: Sitzung der Verantwortlichen im Rathaus. Die Lopavent GmbH will den Fluchtweg nicht wie vom Bauamt gefordert verlängern. Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe macht Druck. Der Oberbürgermeister wünsche die Veranstaltung, es müsse eine Lösung gefunden werden, wird Rabe im Protokoll zitiert. Er fordert das Bauamt zur konstruktiven Mitarbeit auf.

21. Juli 2010: Ein Mitarbeiter des Bauamts befreit die Organisatoren von der Vorschrift, die geforderten Fluchtwege einzuhalten. Das Gelände wird für 250 000 Menschen zugelassen. Es liegt bisher kein Brandschutzkonzept vor.

23. Juli 2010: Vertreter von Feuerwehr und Polizei warnen auf mehreren Sitzungen vor "Toten und Verletzten" aufgrund ungeklärter Sicherheitsfragen. Dennoch unterschreibt die Stadtverwaltung Duisburg die letzte Genehmigung. Bereits am folgenden Tag sollen sich die Bedenken auf tragische Weise bestätigen.