Duisburg demonstriert

Landesregierung Nordrhein-Westfalens fordert Sauerlands Rücktritt wegen des Unglücks

Duisburg. Still steht sie am Rand der Demonstration und hält nur ein kleines Schild in der Hand. Während andere Protestteilnehmer in der aufgeheizten Atmosphäre "Sauerland raus!" skandieren, geharnischte Reden gegen den Oberbürgermeister der Stadt halten, Augenzeugen die Horrorszenen aus dem Duisburger Tunnel erzählen, hebt sie nur ihr Schild in die Höhe: "Herr Sauerland", hat sie mit der Hand draufgemalt, "Sie haben mit dem Leben meines Sohnes gespielt." Es hätte auch ihren Sohn treffen können - am Sonnabend beim Unglück auf der größten Techno-Party der Welt.

Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit machen sich in Duisburg breit, und in die Kritik gerät immer stärker der Oberbürgermeister der Stadt, Adolf Sauerland (CDU). Mehrere Hundert Menschen demonstrierten gestern vor dem historischen Rathaus gegen die Behördenspitze. Am Abend zuvor zogen mehr als 1000 Menschen in einem Trauerzug zum Tatort auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs. 21 Menschen kamen hier bei einer Massenpanik ums Leben, 511 Besucher wurden verletzt.

Neben dem Veranstalter stellt sich nun immer drängender die Frage nach der Mitverantwortung der Stadt und des Oberbürgermeisters. Schon am Mittwoch hatte die NRW-Landesregierung in einem Untersuchungsbericht Verfehlungen der Stadtverwaltung angedeutet. Nun forderte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) Sauerland zum Rücktritt auf. "Der Oberbürgermeister wird sich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte Kraft. Der CDU-Politiker selbst wehrte sich gegen Kritik: "Ich habe persönlich nichts unterschrieben", rechtfertigte er sich. "Am Ende hat die ganze Verwaltung entschieden."

Vorgeworfen wird ihm nicht nur, zahlreiche Warnungen im Vorfeld der Loveparade ignoriert zu haben. Auch seine Krisenkommunikation wird gerügt. Die Aufklärerrolle heben längst Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) übernommen - und die Staatsanwaltschaft. Schon wird kolportiert, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema Sauerland bis zur Trauerfeier am Sonnabend, an der unter anderem sie und Bundespräsident Christian Wulff teilnehmen werden, "vom Tisch haben will".