SPD-Chef Gabriel lehnt Abschaffung der Wehrpflicht ab

Die Bundeswehr als demokratische Armee brauche qualifizierten Nachwuchs

Hamburg. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel lehnt die Abschaffung der Wehrpflicht ab. Er sei kein Anhänger einer Aussetzung des Wehrdienstes, sagte Gabriel abendblatt.de, der Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatts. Die freiwilligen Elemente bei der Bundeswehr müssten allerdings gestärkt werden. Dadurch bekäme die Bundeswehr die qualifizierten Nachwuchskräfte, die sie benötige. "Die Bundeswehr ist auch deswegen eine demokratische Armee geworden, weil sie ihren Offiziers- und Unteroffiziersnachwuchs aus der Breite der Gesellschaft gewonnen hat", sagte Gabriel.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) rechnet derzeit mehrere Modelle für einen Truppenabbau um bis zu 40 000 Zeit- und Berufssoldaten durch. Auch eine Aussetzung des Wehrdienstes ist im Gespräch. Eine Entscheidung gibt es dazu noch nicht. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte auf die baldige Abschaffung der Wehrpflicht gedrungen. Das sei noch in dieser Wahlperiode möglich.

Gabriel sagte, die eigentliche Debatte bestehe darin, wie "wir Wehrgerechtigkeit herstellen können". Gegen die Verkürzung der Wehrpflicht laufe die Bundeswehr zu Recht Sturm, "weil eine seriöse Ausbildung in dieser Zeit kaum möglich ist".

Gabriel sagte zu seinen eigenen Erfahrungen mit dem Soldatendasein, das er als Obergefreiter abschloss: "Ehrlich gesagt, war es eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Ich bin nie Pazifist gewesen. Ich achte Pazifisten sehr, aber ich glaube, dass es Situationen gibt, in denen man Verbrecher, Aggressoren oder Terroristen auch mit Waffengewalt daran hindern muss, andere Menschen zu verfolgen, zu unterdrücken oder umzubringen. Gerade die deutsche Geschichte ist dafür ein Beispiel."