Ein Sachse wird Mixas Nachfolger

Papst ernennt Bischof Konrad Zdarsa zum neuen Kirchenoberen in Augsburg

Augsburg. Papst Benedikt XVI. hat den Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa zum Nachfolger des zurückgetretenen Augsburger Bischofs Walter Mixa ernannt. Das Augsburger Domkapitel dankte dem Papst gestern "für die frohe Botschaft" und "für die ungewöhnlich rasche Wiederbesetzung des Bischofsstuhls". Mixa war im April unter dem Druck seiner Kollegen zurückgetreten, nachdem ihm Schläge gegen Kinder, Veruntreuung von Waisenhausgeldern und zunächst auch sexuelle Übergriffe vorgeworfen worden waren. Die Missbrauchsvorwürfe ließ die Justiz aber als gegenstandslos fallen.

Der 66-jährige Bischof Zdarsa sagte, er freue sich auf seine neue Aufgabe in Augsburg und wolle die Gläubigen wieder zusammenführen. In sein neues Amt soll er erst am 23. Oktober bei einem feierlichen Gottesdienst im Augsburger Dom eingeführt werden. Vorher hätte der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, keine Zeit gehabt, sagte der Augsburger Diözesanadministrator, Weihbischof Josef Grünwald. Mixa, der zurzeit noch im Bischofspalais wohnt, werde Ende Juli ausziehen und sich eine neue Wohnung suchen, und zwar "eher außerhalb des Bistums", sagte Grünwald.

Erst vor drei Jahren war Zdarsa zum Bischof von Görlitz an der polnischen Grenze gewählt worden - mit rund 30 000 Gläubigen das kleinste der 27 deutschen Bistümer. "Kirchlich ist dieses Land tiefe Diaspora", beschreibt es sich selbst auf seiner Internetseite. Als Sohn österreichischer Eltern wurde Zdarsa am 7. Juni 1944 als siebtes Kind der Familie im sächsischen Hainichen in der Nähe von Chemnitz geboren. Nach einer Ausbildung zum Dreher holte er das Abitur nach und studierte Theologie sowie Philosophie in Erfurt, 1974 wurde er zum Priester geweiht. 1977 studierte er Kirchenrecht in Rom und promovierte. Als Pfarrer war er nach seiner Weihe in verschiedenen sächsischen Gemeinden um Dresden und Chemnitz tätig, bevor er im Jahr 2004 zunächst zum Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen und 2007 zum Bischof von Görlitz ernannt wurde.

Seine Arbeit als Bischof an der polnischen Grenze war in Görlitz, dem Rest des alten Bistums Breslau, geprägt von der Aussöhnung mit den Katholiken in Polen und Tschechien. Dabei gilt Zdarsa als eher konservativer Bischof, dem besonders die Ausgestaltung der Gottesdienste und das Gemeindeleben in der Kirche wichtig sind, wie die Geschäftsführerin des Diözesanrates Görlitz, Christine Schirmer, erklärt. Er habe immer ein offenes Ohr für die Probleme in der Gesellschaft.

Zdarsa soll nun vor allem das Bistum Augsburg sanieren und die Spaltung unter den Gläubigen, die sein Vorgänger Mixa hinterlassen hat, überwinden. Bischof zu sein bedeutet für Zdarsa vor allem, "für die Menschen da und mit ihnen Christ zu sein". Sein Ziel, das er in Görlitz erreichen wollte, war, "den katholischen Glauben zu bewahren, weiterzugeben, um Menschen für Gott zu gewinnen".