Händeschütteln für Europa

Der neue deutsche Bundespräsident spricht sich bei seinem Antrittsbesuch bei der EU sowie in Frankreich für eine engere Zusammenarbeit aus

Brüssel/Paris. Nüchtern war der Empfang des neuen Bundespräsidenten gestern Morgen in Brüssel, verglichen mit dem glamourösen Antrittsbesuch im Élysée-Palast tags zuvor. In einer versteckten Ecke des Berlaymont, dem funktionalen Sitz der Europäischen Kommission, trat Christian Wulff mit Kommissionschef José Manuel Barroso vor die Kameras.

Der Portugiese Barroso betonte, welche Bedeutung Wulffs Besuch für ihn habe. Schließlich hatte das neue deutsche Staatsoberhaupt als erstes Ziel seiner ersten Auslandsreise das EU-Parlament in Straßburg erkoren, gestern kamen die weiteren Institutionen Kommission und Rat hinzu.

"Das ist ein wichtiges Zeichen dafür, welche Bedeutung Präsident Wulff persönlich Europa beimisst", so Barroso. "Wir Deutschen wissen, was wir an Europa haben", antwortete Wulff. Er versprach außerdem, er wolle für Europa und seine Institutionen werben. Die Arbeit von Europaparlament und EU-Kommission müssten stärker anerkannt werden, als das üblicherweise der Fall sei, sagte Wulff. "Das ist mein Beitrag für Europa."

Wulff und Barroso sprachen über Finanz- und Wirtschaftsthemen und ein besseres Miteinander von verschiedenen Kulturen und Religionen. Wulff sagte, Europa sollte bei globalen Themen wie dem Klimaschutz oder der Finanzordnung einheitlich auftreten. "Wenn das Europa leistet, mit einer Stimme zu sprechen bei den großen internationalen Fragen, dann werden wir mehr Gewicht bekommen", sagte Wulff. Es sei eine "Unart, Europa immer dann die Schuld zu geben, wenn etwas schief geht".

Nach den sehr präsidialen Äußerungen erstaunte dann doch Wulffs Kommentar zum Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Ein Interview von Wulffs Vorgänger Horst Köhler genau zu diesem Thema hatte maßgeblich zu dessen Rücktritt beigetragen. "Ich denke, als Bundespräsident ist man gut beraten ist, sich hier sehr behutsam, sehr zurückhaltend, gegebenenfalls auch intern und nicht immer öffentlich zu solchen Fragen einzulassen, weil es sehr schnell Fragen der Tagespolitik werden", sagte Wulff beim Besuch des Nato-Hauptquartiers, eine weitere Station seines Brüssel-Besuchs. Von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erwartete das Staatsoberhaupt eine Einschätzung zur Lage in Afghanistan, wo die Allianz die Schutztruppe Isaf führt.

Am Vorabend hatte Wulff nach seinem Treffen mit Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy betont, Europa käme voran, wenn Deutschland und Frankreich zusammenstünden und sich einig seien. Ob das nun Fragen des Klimaschutzes oder die Reform des Finanzsystems beträfe. Kleinere Länder würden das von Deutschland und Frankreich auch erwarten, glaubt der deutsche Bundespräsident. Ihm sei daran gelegen, dass Deutschland und Frankreich auf einem "guten Wege" seien. Deshalb sei er zuerst hierhergekommen. Das "Signal" sei "verstanden worden", so Wulff.

Wie in Paris stand natürlich auch in Brüssel ein weiteres Thema auf der Agenda: die Fußball-WM. Zuvor gehegte Hoffnungen, die Nationalmannschaft werde Spanien schlagen, haben sich zerschlagen. Seinen Pressetermin mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nutzte Wulff, um seiner trauernden Nation Mut zu machen.

Die Jungs von Jogi Löw hätten "Deutschland verzaubert und begeistert und sich in unseren Herzen verankert", sagte er an der Seite Barrosos. Und fuhr fort: Es sei ein großer Vorteil, dass die Mannschaft so jung sei: "Jetzt kann sie sich in Ruhe auf die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien vorbereiten. Ich sehe gute Chancen, dass diese Mannschaft in Brasilien Weltmeister wird."

Er gratulierte Barroso als EU-Chef schon mal zum WM-Titel, und zur Vizeweltmeisterschaft gleich mit, weil mit Spanien und den Niederlanden zwei europäische Nationalmannschaften im Finale am Sonntag stehen. Beide Teams hätten großartigen Fußball gespielt und das Endspiel zu Recht erreicht. "Jetzt soll der Bessere gewinnen."