Aigner will Nachhaltigkeits-Siegel für Fischprodukte

Ministerin fordert, Transparenz der Lebensmittelkette zu erhöhen

Berlin. Vor dem heute beginnenden EU-Fischereirat in Brüssel erhöht Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Druck auf die europäischen Partner, ein gemeinsames Siegel für nachhaltig gefangenen Fisch einzuführen. Damit Nachhaltigkeitssiegel bei Fischprodukten auch das halten, was auf der Verpackung draufsteht, sei ein EU-weiter Rahmen wünschenswert, sagte Aigner dem Hamburger Abendblatt. Dieser EU-weite Rahmen lege fest, ab wann ein Siegel zu Recht den Begriff der Nachhaltigkeit trage.

Die Ministerin kritisierte: "In dem derzeitigen Entwurf der EU-Kommission fehlt dieser aus meiner Sicht wichtige Ansatz, den Verbrauchern wesentliche Informationen bei ihrer Kaufentscheidung an die Hand zu geben." Deutschland werde sich daher in den Verhandlungen weiterhin dafür einsetzen, dass ein europaweiter Rahmen geschaffen werde.

Aigner forderte, die Transparenz in der Lebensmittelkette weiter zu erhöhen: "Verbraucher in Deutschland und Europa wollen bessere Informationen über die Produkte, die sie kaufen. Nachhaltigkeitssiegel auf freiwilliger Basis böten Informationen über die von immer mehr Verbrauchern gewünschte Nachhaltigkeit eines Produktes, ergänzte sie.

Der Bundesregierung geht der von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf zur "Gemeinsamen Marktorganisation für Fischereiprodukte" nicht weit genug. Im Landwirtschaftsministerium hieß es, aus deutscher Sicht sollte in der Verordnung ein Rahmen für ein Nachhaltigkeitssiegel geregelt und nicht ganz allgemeine Aussagen zur freiwilligen Kennzeichnung gemacht werden. Das von Deutschland geforderte Siegel soll mindestens den Zustand der Zielfischart, die Auswirkungen der Fischerei auf das Ökosystem sowie das Management der Fischerei berücksichtigen. Verbraucher können sich bereits am MSC-Siegel orientieren. Die von der unabhängigen gemeinnützigen Organisation "Marine Stewardship Council" eingeführte Kennzeichnung wird an Fischereien verliehen, die eine nachhaltige Bewirtschaftung der Bestände garantieren. Das Siegel ist nur für drei Jahre gültig. Danach müssen sich die Firmen neu darum bewerben.

Auch setzt sich die Bundesregierung auf EU-Ebene vehement für ein Verbot von Rückwürfen in der Fischerei ein. Es sei höchste Zeit, dass man in Europa Rückwurfverbote einführe, um der unverantwortlichen Verschwendung der lebenden Meeresschätze ein Ende zu setzen, sagte Aigner. Sie freue sich, dass die Kommission die langjährige Forderung Deutschlands nach Einführung von Rückwurfverboten und Anlandeverpflichtungen aufgegriffen habe und im Rat über ihre konkrete, sachgerechte Ausgestaltung beraten werden könne. "Rückwurfverbote sind ein unverzichtbarer Baustein, um die europäische Fischerei nachhaltiger zu gestalten und auf internationaler Ebene einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen einfordern zu können", betonte die Landwirtschaftsministerin.

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