Internationaler Tag der Frauen

Frauenquote: Hamburg hat das weiblichste Parlament

Nicht alle Parteien fördern Frauen. Vorbild sind die Grünen, Schlusslicht ist die CDU. FDP wehrt sich gegen Quote in der Wirtschaft.

Hamburg/Berlin. Oder man macht es einfach so wie die Schweiz. Einen Tag vor dem Internationalen Tag der Frauen, den die Weltgemeinschaft jedes Jahr am 8. März begeht, gab der Kanton Zürich gestern die Anstellung eines neuen Beauftragten bekannt - einen für Männer. Der Psychologe könne Jungen unterstützen, in einen "Mädchenberuf" einzusteigen, oder auch das Verständnis für Familien fördern, in denen die Frau "die Rolle als Haupterwerberin" übernommen habe.

Es ist eine spannende Anekdote aus einem Land, in dem Frauen auf Bundesebene erst seit 1971 wählen dürfen. Seit Jahren aber geht die Zahl der Politikerinnen bei Kantonsratswahlen zurück.

+++ Unabhängig wie nie +++

Spitzenwerte in der Politik erreichen Frauen woanders, zum Beispiel in Hamburgs Bürgerschaft. 41,3 Prozent der Abgeordneten sind weiblich. Mehr als in jedem anderen Landesparlament der Republik. Recherchiert hat das der Journalist und Blogger Martin Fuchs ( wahlbeobachter.blogspot.com ). Hamburg liegt vor Bremen mit 41 Prozent und Brandenburg mit 40,9 Prozent. Niedersachsen und Schleswig-Holstein landen mit rund 35 Prozent im besseren Mittelfeld bei der Frauenquote in Landesparlamenten. Schlusslicht ist Baden-Württemberg mit 18,8 Prozent.

Allerdings sorgen nicht alle Parteien gleichsam für eine starke Quote. Während bei den Grünen in Hamburg gut 64 Prozent der Fraktion Frauen ausmachen, sind es bei der CDU nur knapp 18 Prozent. Die Linkspartei kommt auf beachtliche 62,5 Prozent, die SPD immerhin auf 45,2 und die FDP auf 33,3 Prozent. Damit liegen die Liberalen in Hamburg noch über dem Durchschnitt im Bundestag in Berlin, wo die Frauen 32,9 Prozent ausmachen. Die Hamburger Politik zeige, dass Frauenförderung auch ohne gesetzliche Quote möglich sei, sagt Fuchs dem Abendblatt.

Genau für diese kräftig diskutierte Quote für Frauen in Unternehmen sieht Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) derzeit keine Chance. Es sei in der Koalition keine Mehrheit vorhanden, sagte Schröder. "Die Koalition entscheidet gemeinsam, und die Aussagen der FDP sind hier sehr eindeutig. Die Partei scheint sich endgültig festgelegt zu haben, keine Quote in irgendeiner Arzt zu akzeptieren." FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle lehnt eine von der EU-Kommission angeregte verbindliche Frauenquote in Unternehmen ab. "Ich glaube nicht, dass eine formelle Quote die Lösung ist. Für mich ist der Schlüssel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie", sagte Brüderle.

+++ Die Stadt der Frauen +++

Die familienpolitische Sprecherin der Grünen, Katja Dörner, kritisierte die FDP und Teile der Union für deren "Blockadehaltung". Diese schade nicht nur der Gleichstellung, sondern auch dem Wirtschaftsstandort Deutschland, sagte sie dem Abendblatt. "Eine gesetzliche Frauenquote für die Wirtschaft ist überfällig. Freiwillige Vereinbarungen haben sich als Placebo erwiesen", ergänzte Dörner. Bislang arbeiteten Frauen deutlich öfter in Teilzeit, seltener in Führungspositionen und verdienten weniger als Männer. Außerdem seien Frauen häufiger langzeitarbeitslos. Fast 70 Prozent aller arbeitslosen Frauen bekämen Hartz IV. Die Beschäftigungsquote der Frauen war im Juni 2011 mit 48,7 Prozent deutlich kleiner als die der Männer mit 56,0 Prozent.

Eine Studie des Bundesbildungsministeriums, an der auch die TU Harburg mitgearbeitet hat, zeigt, dass der Zugang zum Arbeitsmarkt gerade für hoch qualifizierte Migrantinnen mit ausländischen Bildungsabschlüssen schwierig ist: Der Umzug nach Deutschland bedeute für sie häufig einen Einbruch in der Karriere oder eine Beschäftigung weit unterhalb des Qualifikationsniveaus. Sprich: Eine Ingenieurin aus Russland muss in Deutschland als Aushilfe arbeiten oder sogar Hartz IV beziehen. Vor allem liege dies daran, dass der berufliche Abschluss aus der Heimat in Deutschland nicht anerkannt werde. Das soll sich nach Wunsch der Regierung nun ändern. Ab April gilt das neue Anerkennungsgesetz. Jede und jeder kann seine berufliche Qualifikation auf Anerkennung prüfen lassen - unabhängig von der Staatszugehörigkeit. Für Hilmi Kaya Turan, Vizevorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, ist das Gesetz ein wichtiger Schritt. "Doch genauso wichtig ist, dass Ausländern, die Schwierigkeiten bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse haben, eine entsprechende Weiterbildung in Deutschland ermöglicht wird", sagte Turan dem Abendblatt. Deutschland dürfe es sich nicht mehr leisten, Kapazitäten und Qualifikationen zu verschenken. Egal, ob Frau oder Mann.