Der Protest soll auch Spaß machen

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Peter Ulrich Meyer

Bündnis "Laut gegen Nazis" lädt zu Schulworkshops und Konzert mit Rockstars

Hamburg. Jeder hat seinen eigenen Zugang zum Thema Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit: "Ich weiß, was das bedeutet. Ich bin ein Pinneberger in Hamburg", sagte Tim Mälzer, Koch und Restaurantbetreiber. "Früher bin ich als Pinneberger nicht in die Hamburger Discos gekommen", erzählte Mälzer, der als Prominenter die Aktion "Hamburg steht auf!" des Vereins "Laut gegen Nazis" unterstützt, und sorgte damit für Heiterkeit.

Mälzers Einwurf war vielleicht eine Spur zu lax für das ernste Thema. Aber Jörn Menge, Leiter und Gründer der bundesweiten Kampagne "Laut gegen Nazis", dürften die Sprüche des TV-Kochs ganz recht gekommen sein. "Wir wollen nicht nur mit erhobenem Zeigefinger auf Rechtsextremismus aufmerksam machen. Uns geht es auch um Spaßveranstaltungen", sagte Menge, der gestern im Rathaus das "bundesweite Signal-Projekt" im Rahmen der "Internationalen Wochen gegen Rassismus" vom 16. bis zum 24. März gemeinsam mit Schulsenator Ties Rabe (SPD) vorstellte.

Im Zentrum der Aktionswoche sollen 20 in der Regel zwei- bis dreistündige Workshops für Schulklassen stehen. Dabei geht es zum Beispiel um Themen wie das NPD-Verbot, Rechtsextremismus in sozialen Netzwerken oder "Mit Musik und Humor gegen Nazis? Geht das?". Neun der 20 Veranstaltungen laufen unter der Regie des Hamburger Schulmuseums, das sich mit seiner Abteilung "Schule unterm Hakenkreuz" schon lange mit dem Thema Rechtsextremismus und Rassismus auseinandersetzt. Die Schulbehörde will die Angebote im Rahmen von "Hamburg steht auf!" jetzt an Stadtteilschulen und Gymnasien weiterleiten.

Zum Abschluss der "Wochen gegen Rassismus" lädt "Laut gegen Nazis" zu einer Großkundgebung am 24. März ein. "Der Ort wird noch nicht verraten", sagte Menge. Außer Smudo von den Fantastischen Vier werden vermutlich noch weitere bekannte Künstler für "Hamburg steht auf!" auftreten.

Der HSV, der FC. Pauli, der Autobauer Skoda, das Medienunternehmen Warner Brothers und Google Deutschland zählen zu den Unterstützern der Kampagne. Der HSV nimmt das Motto wörtlich. "Beim Heimspiel gegen den SC Freiburg am 17. März wird das ganze Stadion, das hoffentlich ausverkauft ist, aufstehen", sagte Oliver Scheel, HSV-Vorstand für Mitgliederbelange. Das Engagement gegen Rassismus müsse im Verein "von innen gelebt" werden. Der HSV sei mit seinen 70 000 Mitgliedern auch ein großer Breitensportverein und habe daher eine "hohe soziale Verantwortung".

"Wir wollen zeigen, dass in den beiden großen Hamburger Fußballvereinen kein Platz für Nazis ist", sagte FC-St.-Pauli-Präsident Stefan Orth. Sein Klub stehe seit vielen Jahren für Offenheit und Toleranz. Der "Kampf gegen rechts" zähle seit Langem zu den wichtigen Themen der Fanszene. "Wir haben in unserer Stadionordnung festgeschrieben, dass wir Rassismus und Intoleranz nicht dulden", sagte Orth.

Der Musiker und HSV-Stadionsprecher Lotto King Karl sagte: "Ein Leben ohne Toleranz ist jämmerlich." Er komme aus einem "internationalen Viertel mit vielen Religionen", so der Barmbeker. Für ihn seien "Toleranz und gegenseitiges Interesse aneinander immer selbstverständlich" gewesen.

Auch Tim Mälzer beleuchtete das Thema von der ernsten Seite. "Wenn sich ein Mitarbeiter in meinem Restaurant rassistisch oder fremdenfeindlich äußerte, wäre das ein Grund für eine fristlose Kündigung." Gerade als Koch wisse er, dass "ein Leben ohne fremde Einflüsse langweilig wäre".

Schirmherr von "Hamburg steht auf" ist Bürgermeister Olaf Scholz.