Polizei macht Platz für Stuttgart 21

Wasserwerfer blieben in der Garage. Widerstand ist nach der Volksabstimmung stark geschwächt

Stuttgart. Die Polizei hat mit einem massiven Aufgebot von Einsatzkräften den Weg für die nächsten Bauarbeiten am Bahnprojekt Stuttgart 21 frei gemacht. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen mit S-21-Gegnern im Herbst 2010 gelang es der Polizei am frühen Freitagmorgen, mit 2200 Beamten das Gebiet um den Südflügel des Hauptbahnhofs ohne größere Zwischenfälle zu räumen. Rund 600 Demonstranten protestierten gegen den geplanten Abriss des Südflügels.

Die Polizei löste zwischen 3 Uhr und 8 Uhr Sitzblockaden und Barrikaden auf und sperrte das Gelände mit Gittern ab. Die Beamten mussten 27 Demonstranten wegtragen. Sechs müssen mit einer Strafanzeige rechnen; vier Protestierer leisteten Widerstand und zwei führten Pfefferspray mit sich. Von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatten sich die S-21-Gegner auch nach der Ende November verlorenen Volksabstimmung mehr Engagement gegen das Milliardenprojekt erwartet. Die grün-rote Koalition zeigte sich erleichtert. "Die Polizei hat den Einsatz exzellent vorbereitet", sagte Innenminister Reinhold Gall (SPD). Wie die Grünen hob der SPD-Politiker aber auch hervor, dass die Demonstranten und Blockierer friedlich geblieben seien. Die Bahn will nun einen Bauzaun errichten und in acht Wochen den Abriss des Südflügels abschließen. Zunächst wird das Gebäude von innen entkernt. Der Nordflügel war bereits im August 2010 abgetragen worden.

Ursprünglich hatte die Bahn geplant, Anfang Januar auch die Bäume im Schlossgarten neben dem Südflügel zu fällen, um den Trog für den geplanten unterirdischen Durchgangsbahnhof ausheben zu können. Die Stadt hatte daher die S-21-Gegner aufgefordert, ihre Zelte in dem Park zu verlassen. Die polizeiliche Räumung des Camps wurde aber verschoben, weil für das Fällen der Bäume bisher keine Genehmigung vorliegt. Die Bahn muss zuvor noch Naturschutzauflagen erfüllen.