Evangelische Kirche

Präses Schneider verweist auf offenen Umgang mit sexuellem Missbrauch

Schneider beschreibt die Praxis der Evangelischen Kirche, verheiratete Pfarrer und Pfarrerinnen zuzulassen, als vorbildlich.

Hamburg. Hamburger Abendblatt: Die Katholische Kirche steckt mit ihrem gigantischen Missbrauchsskandal tief in der Krise. Warum hören wir kaum etwas über Missbrauch in der Evangelischen Kirche?

Nikolaus Schneider: Auch bei uns gab es Missbrauch. Wir haben allein in der rheinischen Landeskirche seit 2003, als wir ein geregeltes Verfahren für den Umgang damit eingeführt haben, von 40 Fällen erfahren. Vielleicht ist für die Menschen daran erkennbar, dass wir offener damit umgehen. Auch die Frage, wie wir über Sexualität reden und mit Sexualität umgehen, spielt da eine Rolle.

Heißt das, die Katholische Kirche sollte den Sinn des Zölibats diskutieren?

Die Stimmen in der Katholischen Kirche, die diese Diskussion wollen, mehren sich. Ich kann nur für unsere Kirche sagen: Verheiratete Pastorinnen und Pastoren tun unseren Gemeinden gut. Eine Pastorenfamilie tut dem gesamten Gemeindeleben gut. Aber ich will nicht verhehlen, dass die Abgrenzung zwischen Familienleben und Gemeindearbeit mitunter auch Probleme mit sich bringt. Und Frauen im Pastorenamt tun der Kirche an sich gut.