Evangelische Kirche

Präses Nikolaus Schneider: „Religion gehört in den öffentlichen Raum"

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider ist für mehr Kreuze in staatlichen Gebäuden. Die Interview-Passage im Wortlaut.

Hamburger Abendblatt: Ostern, das ist auch Jesus am Kreuz. Hat das Kreuz als Symbol noch die Wirkung, die es haben sollte?

Nikolaus Schneider: Ich glaube schon. Das Kreuz erinnert uns daran, dass wir Gott nie verlieren, auch wenn er uns fern erscheint. Er trägt mich auch dann, wenn ich mich selbst nicht mehr tragen kann. Dafür steht das Kreuz. Und diese fundamental wichtige Botschaft, die das Kreuz symbolisiert, müssen wir den Menschen weitersagen.

Dennoch verschwindet das Kreuz immer mehr aus den öffentlichen Räumen.

Ich wünsche mir, dass das Kreuz zu sehen ist und dass spürbar wird, wofür es steht – auch beispielsweise in Gerichten. In Düsseldorf wurden die Kreuze in den Sälen des Gerichtsneubaus nicht mehr aufgehängt. Das bedaure ich, denn das Kreuz sagt dem Richter, dass er keine endgültigen Urteile fällt. Und es sagt dem Angeklagten, dass eine Verurteilung nicht das letzte Wort ist.

Gehört das Kreuz auch in Schulklassen und Ministerien?

Ganz klar gehört das Kreuz mitten in unsere Gesellschaft. Religion ist keine Privatsache. Religion wirkt öffentlich und hat etwas zu sagen. Religion gehört in den öffentlichen Raum.