Verjährung von Missbrauchsdelikten

Pädophile Täter sollen härter bestraft werden

Hamburg. Die Diskussion um eine Verlängerung der Verjährungsfrist im Zusammenhang mir den Missbrauchsfällen an kirchlichen Einrichtungen nimmt konkrete Formen an. Der Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestags, Eckhard Pols (CDU), hat eine Verschärfung der Mindeststrafe für pädophile Täter und ein Frühwarnsystem in pädagogischen Einrichtungen gefordert. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sprach sich Pols für die Erhöhung der Mindeststrafe für sexuellen Kindesmissbrauch von sechs Monaten auf ein Jahr.

Auch die strafrechtliche Verjährungsfrist, die bislang zehn Jahre beträgt, solle auf 20 Jahre angehoben werden. "Nur so werden wir das Problem dauerhaft lösen können", sagte Pols.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sexuellen Missbrauch strafrechtlich als Verbrechen einzustufen. Missbrauch gilt bislang als Vergehen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sagte: "Ich mache mir keine Illusionen: Sexueller Missbrauch wird auch in Einrichtungen unserer Kirche vorgekommen sein und vermutlich noch vorkommen." Tatsächlich hegt auch die evangelische Kirche Verdacht gegen drei Pfarrer und einen evangelischen Religionslehrer aus Hessen.

Auch an der weltbekannten Internatsschule auf Schloss Salem gab es nach Angaben des früheren Leiters Bernhard Bueb Missbrauchsfälle. "Es gab Situationen, wo Schüler sich an mich wandten oder an andere Mitarbeiter und erklärten, sie seien belästigt worden", sagte der Pädagoge im SWR. Die verantwortlichen Lehrer seien sofort entlassen worden. Auch habe er unmittelbar die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, sagte Bueb.

Der angekündigte Hirtenbrief des Papstes Benedikt XVI. an die irischen Bischöfe soll nach Angaben der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" Ende dieser Woche oder zu Beginn kommender Woche erscheinen. Der Papst wolle die Stellung des Bischofs gegenüber Ordenseinrichtungen stärken, um besser gegen sexuellen Missbrauch vorgehen zu können.

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat viele Gläubige verunsichert, aber bisher zu keiner Austrittswelle geführt. Dies ergab eine dpa-Umfrage in besonders betroffenen deutschen Bistümern.