Sponsoring-Affäre

Auch Sachsens CDU vermarktet Gespräche mit Tillich

Dresden. Die "Sponsoring-Affäre" bei der CDU weitet sich aus: Ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen hat die Partei auch in Sachsen bei Veranstaltungen Gespräche mit dem Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich gegen Geld angeboten. Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer gestand am Wochenende Fehler im Umgang mit Sponsoren ein. "Es war unglücklich, diese persönlichen Messestand-Besuche in das Vermarktungs-Konzept explizit hineinzuschreiben", sagte er der "Bild am Sonntag". "Das wird es in Zukunft so nicht mehr geben."

Kretschmer betonte, Tillich selbst kenne die Details des Sponsorings nicht. Nach Berichten des "Spiegels" und der "Leipziger Volkszeitung" können Unternehmen auf CDU-Veranstaltungen zwischen vier "Präsentationsstufen" wählen, die bis zu 8000 Euro kosten. Die Stufen drei und vier beinhalten auch ein "kurzes Gespräch" mit Tillich, hieß es unter Berufung auf ein Schreiben an potenzielle Unterstützer der CDU-Veranstaltung "Denkfabrik Sachsen", die am heutigen Montag in Dresden stattfindet.

Zusätzlich werde Sponsoren ab Präsentationsstufe drei (3900 Euro) die Erwähnung ihres Firmennamens in der Begrüßungsrede des Generalsekretärs in Aussicht gestellt.

In Nordrhein-Westfalen hatte eine Affäre im Zusammenhang mit Sponsoring in der vergangenen Woche zum Rücktritt des Generalsekretärs der Landes-CDU, Hendrik Wüst, geführt. Die CDU hatte Parteitags-Sponsoren Einzelgespräche mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers versprochen. Durch die Schreiben geriet Rüttgers politisch unter Druck.

Kretschmer wies Vorwürfe zurück, die sächsische Landespartei bediene sich ähnlicher Spendenpraktiken wie die NRW-CDU. Anders als in NRW erhielten Sponsoren in Sachsen keine Zusatzangebote für separate Einzelgespräche mit Tillich, sagte Kretschmer der "Leipziger Volkszeitung". Vielmehr besuche er traditionell jeden Stand und führe dort kurze Gespräche. Das alles passiere "auf offener Bühne" und sei von einem Wirtschaftsprüfer abgesegnet worden.

Der Ministerpräsident ließ sich nach seiner Rückkehr von einer Kanada-Reise gestern über den Fall informieren, äußerte sich zunächst jedoch nicht dazu.

Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles kritisierte den Umgang mit Sponsoren scharf. "Offenbar gehört es zum guten Ton in der CDU, dass ihre Spitzenpolitiker käuflich sind. Um ihre Parteikasse zu füllen, betreiben Rüttgers und Tillich den Ausverkauf der Demokratie", sagte sie "Bild am Sonntag".