Katholische Kirche

Zollitsch: Sexueller Missbrauch ist ein gesamtgesellschaftliches Problem

Berlin. Die Missbrauchs-Debatte in Politik und Kirche geht weiter. Dabei hält der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, einen runden Tisch für alle gesellschaftlich relevanten Gruppen in Sachen Missbrauch für sinnvoll. Einen runden Tisch nur für die katholische Kirche lehnte er dagegen ab: Sexueller Missbrauch von Kindern sei "kein spezifisches Problem der katholischen Kirche", erklärte er in einem Interview der "Welt am Sonntag". "Es hat weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität, noch mit der katholischen Sexuallehre", sagte er der "Berliner Morgenpost".

Auch wenn jedes Vergehen durch Priester ein besonders schlimmer Vertrauensbruch sei, sei Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Von den rund 15 000 Fällen, die pro Jahr staatsanwaltlich erfasst würden, spielten sich die wenigsten in einem kirchlichen Rahmen ab. "Das entschuldigt uns nicht", betonte Zollitsch. Es zeige aber, dass die Kirche alleine nur einen kleinen Teil zur Lösung beitragen könne.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omni Quest für die "Frankfurter Rundschau" zufolge glauben nur knapp 20 Prozent der Deutschen, dass die katholische Kirche bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen in den eigenen Reihen konstruktiv mit den Behörden zusammenarbeitet. Fast drei Viertel der Befragten (73,3 Prozent) sehen einen Zusammenhang zwischen der zölibatären Lebensweise von Priestern und dem sexuellen Missbrauch Jugendlicher.

Die FDP im Bundestag hat die katholische Kirche aufgefordert, einen Entschädigungsfonds für Missbrauchsopfer aufzulegen. Dies sei ein wichtiges Signal an die Betroffenen, dass "die Kirche sich nicht hinter Verjährungsfristen verstecke", sagte der rechtspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Christian Ahrendt, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Kirche sei "gut beraten, nicht länger wie ein Staat im Staate zu handeln". Die Bischöfe sollten "externe Sonderermittler für alle 27 deutschen Bistümer einsetzen".

Auch Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hält die Kooperation zwischen Kirche und Strafverfolgungsbehörden für verbesserungsbedürftig. Nach ihrem Streit mit den Bischöfen über den Umgang der Kirche mit den Missbrauchsfällen ist demnächst ein Gespräch zwischen der Ministerin und Erzbischof Zollitsch geplant. Ein Termin ist noch nicht bekannt.