Kommentar: Die Bischöfe zum Missbrauch

Nur entschuldigen reicht nicht

Die katholischen Bischöfe in Deutschland plagt ein schlechtes Gewissen. Dabei hatten sie mit ihren Leitlinien zum "Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche" schon vor acht Jahren das heikle Thema viel entschiedener angepackt als ihre Amtsbrüder in Irland oder in den USA, wo schon mehr als 10 000 Opfer aktenkundig sind.

Doch nicht die Dimension der Missbrauchszahlen macht den Skandal aus. Jeder Einzelfall ist "ein abscheuliches Verbrechen", sagt Erzbischof Zollitsch, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz. Der höchstrangige Katholik im Lande entschuldigt sich bei allen Opfern - und das "im Namen der katholischen Kirche".

Doch in deren Namen wurden jahrzehntelang unzählige Missbrauchsfälle vertuscht und Täter allzu mildtätig behandelt - oft nur mit einer Strafversetzung. Diese Mitschuld des "Systems Kirche" macht den Bischöfen zu Recht zu schaffen. Reue gilt als erster Schritt zur Besserung. Jetzt müsste auch der zweite folgen, um allen Opfern zu bezeugen, dass die Kirche alles tut, um neue Fälle zu verhindern. Dazu gehört eine zentrale Anlaufstelle bei Missbrauchsverdacht. Sie ist schon lange überfällig. Denn bisher war die Amtskirche mehr darauf bedacht, die eigene Weste weiß zu halten, statt jedem Hinweis professionell nachzugehen. Vielfach gingen die Klagen der Opfer unter. Das ist das größte Versäumnis der Kirche, die den Namen Christi trägt: dass sie nicht nah genug bei all den Opfern war.