Außenwirkung

Kanzlerin Angela Merkel ist gern "Mutti"

Berlin. Einst war sie "Kohls Mädchen". Als Altkanzler Helmut Kohl (CDU) die ostdeutsche Physikerin Angela Merkel 1991 als Familienministerin an seine Seite holte, war sie knapp 20 Jahre jünger als jetzt, die Haare kürzer und das Gesicht schmaler. Politisch hat sie sich längst von ihrem Ziehvater gelöst und ist inzwischen selbst Kanzlerin - und aus dem "Mädchen" ist die "Mutti" geworden.

Das hat nicht nur etwas mit ihrer veränderten Frisur zu tun. Spätestens seit Angela Merkel Lebensweisheiten von schwäbischen Hausfrauen zitiert hat, muss sich die CDU-Vorsitzende auf Berliner Fluren mit diesem Spitznamen arrangieren. "Mutti sieht es doch", heißt es unter den CDU-Abgeordneten. Sie selbst findet den Namen, wie sie jetzt sagte, allerdings "alles andere als ehrenrührig". Die Bezeichnung "Mutti" umfasse, dass man Verantwortung hat, sagte sie im ZDF-"heute journal": "Verantwortung für die Regierung, aber auch Verantwortung für die Menschen im Lande." Und eine ganz pragmatische Erklärung für ihren Kosenamen hat Merkel auch parat: "Da ich nun mal eine Frau bin, sind männliche Bezeichnungen eher unwahrscheinlich."

"Mutti" hört sich auch noch schmeichelhafter an als "Birne", der Spitzname, den Helmut Kohl wegen seiner Kopfform bei den Bürgern erhielt. In der polnischen Zeitung "Polska" hieß es sogar schon: "Sehr viele Deutsche nennen sie zärtlich ,Mutti', wenngleich Angela Merkel keine Kinder hat."