Abschied aus der Politik

Dieter Althaus wird Topmanager bei Magna

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Karsten Kammholz

Hamburg. Dieter Althaus beendet seine politische Laufbahn und wechselt in die Chefetage des österreichischen Automobilzulieferers Magna International. Der frühere Thüringer Ministerpräsident soll bereits ab Montag für den Konzern arbeiten, wie das Unternehmen am Freitag in Oberwaltersdorf in Österreich mitteilte.

Bei Magna soll Althaus den Titel "Vice President" tragen und für Kontakte zu öffentlichen Stellen in Deutschland und dem wichtigen Magna-Kunden Volkswagen zuständig sein. Althaus wird im Magna-Büro am VW-Hauptsitz in Wolfsburg arbeiten, wie das Untenehmen mitteilte. Er werde sehr viel unterwegs sein, so eine Sprecherin.

Der CDU-Politiker war zuletzt nur noch einfacher Abgeordneter im Erfurter Landtag, nachdem er im vergangenen September vom Amt des Regierungschefs zurückgetreten war. Zuvor hatte er bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit verloren. Für Althaus ist der Schritt in die Wirtschaft vorerst der Schlusspunkt bewegter 13 Monate: Am Neujahrstag 2009 hatte er bei einem Zusammenprall mit einer 41-jährigen Mutter auf einer Skipiste schwere Kopfverletzungen erlitten. Die Skifahrerin starb kurze Zeit später, Althaus selbst fiel monatelang aus.

Zuletzt hatte er sogar noch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Wechsel in die Bundespolitik erörtert. Der "Mitteldeutschen Zeitung" sagte Althaus dazu: "Ich habe mit der CDU-Bundesvorsitzenden intensiv gesprochen. Aber ein Wechsel in die Bundespolitik war nicht vorstellbar. Deshalb ist der Umstieg in die Wirtschaft eine tolle Chance. Ich bin dankbar, dass ich das mit ganzer Kraft machen kann." Der 51-Jährige teilte auf seiner Homepage mit: "Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit, zumal ich Magna aus meiner Zeit als Ministerpräsident gut kenne und seitdem von der außergewöhnlichen Firmenkultur und der Erfolgsgeschichte beeindruckt bin. Mein Landtagsmandat werde ich Ende April niederlegen." Magna-Chef Siegfried Wolf erklärte in derselben Mitteilung, man brauche eine "Durchlässigkeit zwischen Wirtschaft und Politik". Mit seinem Engagement wolle man die Stellung der Firma in Deutschland ausbauen.

Auch weil Althaus erst Ende April sein Mandat niederlegen will, kritisierte die Opposition in Thüringen Althaus scharf. Der Thüringer Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow sagte: "Es gehört sich nicht, dass ein ehemaliger Ministerpräsident ohne jede Karenz in eine Lobbytätigkeit wechselt. Die Menschen nennen das Lobbykratie." Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag Volker Beck sprach von einem "fahlen Beigeschmack". Deshalb fordere seine Partei Karenzzeiten von drei Jahren für den Wechsel von Ministern und Staatssekretären in die Wirtschaft. "Wenn ein Interessenkonflikt zwischen alter und neuer Tätigkeit besteht, ist die Tätigkeit zu untersagen. Dieser Interessenkonflikt liegt bei Althaus eindeutig auf der Hand", sagte Beck. Als Ministerpräsident hatte sich Althaus im vergangenen Jahr vehement für eine Übernahme des Autobauers Opel durch Magna eingesetzt. Opel besitzt im thüringischen Eisenach ein großes Werk, in dem der Corsa gebaut wird.

Mit einer Rückkehr in die Politik rechnet Althaus nun nicht mehr. "Ich gehe jetzt den Weg mit Magna. Ich sehe im Moment keine anderen Perspektiven. Das ist ein neuer Lebensabschnitt mit einem neuen Aufgabenfeld", sagte er. Sein neuer Job lasse sich "mit einer aktiven Politik im Landtag nicht vereinbaren", betonte der CDU-Politiker. "Ich muss meine Kräfte konzentrieren." Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Der Wahlausgang und mein Rücktritt haben mir deutlich gemacht, neue Wege zu gehen." Trotz seines Büros in Wolfsburg wolle er in Heiligenstadt in Thüringen wohnen bleiben.