Kommentar: Kassen fordern Zusatzbeiträge

Gesundheitssystem zu Tode verwaltet

Wer von Union oder SPD jetzt gegen die Zusatzbeiträge der Krankenkassen wettert, sollte sein Parteibuch abgeben. Die Große Koalition hat eine Gesundheitsreform durchgepaukt, deren Ergebnisse nun ebenso erschütternd wie vorhersehbar sind.

Sehenden Auges ließ die Politik die Kassen in die Finanzklemme laufen. Mehr Selbstbeteiligung der Patienten war gewollt. Natürlich reichen alle Beiträge der Versicherten, genügt alles Steuergeld im Gesundheitsfonds nicht, um die Kosten zu begleichen. Daher hat man ja den Kassen erlaubt, Zusatzbeiträge zu fordern.

In der Chronik einer angekündigten Empörung kann man nachlesen, was an der politischen Logik nicht stimmig ist. Auf der Einnahmeseite der gesetzlichen Krankenkassen ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Seit Jahr und Tag wird die Gesundheit teurer. Die Patienten schieben die Praxisgebühr über die Theke, noch ehe der Arzt nach dem Befinden gefragt hat. Das Geld fließt an die Krankenkassen weiter. In der Apotheke zahlt man bei Pillen, Salben und Säften drauf. Die Vollkaskomentalität ist längst passé - auch wenn die Deutschen noch Weltmeister bei der Anzahl der Arztbesuche sind.

Es geht um die Ausgabenseite, die die Politik zu zaghaft anpackt. Bei den ausgehandelten Medikamentenpreisen lässt sich etwas machen, bei der Mehrwertsteuer auf Arzneien. Sparen lässt sich bei Projekten wie der schlecht durchdachten elektronischen Gesundheitskarte und in der Kassenbürokratie. Wenn diese Tanker in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft wieder selbst die Beiträge festlegen dürften, wäre viel gewonnen. Es ist doch absurd, dass die Kassen fünf Euro im Monat extra verlangen müssen, um erst einmal die Verwaltungskosten der Zusatzbeiträge hereinzuspielen. Das Geld, mit dem sich die deutsche Gesundheitspolitik zu Tode verwaltet, wäre bei jedem Hausarzt besser angelegt.