Staatsbesuch

Peres beim Holocaust-Gedenktag in Berlin - große Ausstellung in Jerusalem

Berlin/Jerusalem. Der israelische Präsident Schimon Peres ist gestern zu einem Staatsbesuch in Berlin eingetroffen. Heute trifft der 86-jährige Friedensnobelpreisträger Kanzlerin Angela Merkel zu einem Gespräch im Kanzleramt, bei dem es um den Nahost-Friedensprozess und die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel gehen soll.

Höhepunkt des dreitägigen Besuchs ist eine Rede vor dem Bundestag bei der morgigen Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust. Peres ist der dritte israelische Präsident nach Ezer Weizman 1996 und Mosche Katzav 2005, der vor dem deutschen Parlament spricht. Die auf Hebräisch gehaltene Rede werde Peres mit "seiner Vision und seinen Hoffnungen für die Zukunft Israels, Deutschlands und des Nahen Ostens" beenden. Mit der Reise schließe sich ein persönlicher Kreis für Peres, dessen Großeltern und Onkel in einer Synagoge im heutigen Weißrussland lebendig verbrannt worden waren, erklärte Präsidentensprecher Ajelet Frisch in Berlin.

Peres wird auf seiner Reise von Überlebenden des Holocaust begleitet. Der 27. Januar, an dem das Vernichtungslager Auschwitz 1945 von sowjetischen Truppen befreit worden war, ist seit 2005 internationaler Holocaust-Gedenktag. Der Bundestag begeht ihn jedes Jahr mit einer Feierstunde, an der die höchsten Repräsentanten des Staates, außerdem kirchliche Würdenträger und Zeitzeugen teilnehmen, beispielsweise die Präsidenten der Lagergemeinschaften der ehemaligen Konzentrationslager.

Unter dem Titel "Architektur des Mordes" hat die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem gestern eine Ausstellung der originalen Baupläne des größten Vernichtungslagers der Nazis eröffnet. "Die Zeichnungen sind ein weiterer Beweis für die schreckliche Tatsache, dass die deutschen Nationalsozialisten den Völkermord minutiös geplant haben", sagte Avner Schalev, Vorsitzender von Yad Vashem, während der feierlichen Eröffnungszeremonie.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte die Baupläne einen "wichtigen Beitrag zu dem bestehenden Beweismaterial" für den systematischen Mord an den europäischen Juden. Ungeachtet der überwältigenden Dokumentation gebe es immer mehr Menschen, die den Holocaust leugneten, sagte der Regierungschef. Er warnte vor einem "neuen Judenhass" und "neuen Aufrufen zur Zerstörung des Staates Israel".

Netanjahu hatte die Pläne im August bei seinem Besuch in Deutschland vom Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, erhalten. Der Springer-Verlag hatte die Dokumente 2008 erstanden, Kaufpreis und Verkäufer blieben geheim.

Diekmann sagte während der Zeremonie in Yad Vashem, die Auschwitz-Baupläne seien "nirgendwo besser aufgehoben als an diesem zentralen Ort der Erinnerung". Sie seien als "Zeichen des Respekts" für das jüdische Volk gedacht.

Netanjahu will am Mittwoch zum 65. Jahrestag der Befreiung an der Gedenkfeier in Auschwitz teilnehmen. Nach Informationen von Yad Vashem wurden in Auschwitz-Birkenau zwischen Juni 1940 und Januar 1945 insgesamt 1,1 Millionen Menschen ermordet, davon 90 Prozent Juden. 232 000 der Gefangenen waren Kinder. Die Ausstellung zeigt unter anderem eine Frontalzeichnung des berüchtigten Eingangstors am Ende der Eisenbahnrampe, den Bauplan eines zweistöckigen Krematoriums sowie eine große Vogelsicht des gesamten Lagers. Zudem ist auch eine Kopie der bekannten "Todesfuge" des deutschsprachigen jüdischen Dichters Paul Celan zu sehen.

Eine Wanderausstellung der "Architektur des Mordes" soll am kommenden Dienstag im Uno-Hauptquartier in New York eröffnet werden.