Laufzeitverlängerungen

Bedarfsstudien sollen Zeitrahmen für Atomausstieg liefern

Hamburg. Vor der Entscheidung über Laufzeitverlängerungen für deutsche Atomkraftwerke will Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) den künftigen Bedarf an Atomstrom zunächst anhand von sogenannten Energieszenarien detailliert errechnen lassen. "Wir brauchen nicht mehr Kernenergie, aber wir brauchen sie wahrscheinlich noch etwas länger als die willkürliche Festlegung durch Rot-Grün", sagte Röttgen der "Financial Times Deutschland".

Grundprinzip des Ausstiegs aus der Atomkraft unter der neuen Bundesregierung aus Union und FDP sei das "dynamische Ersetzen", sagte Röttgen. "Die Kernkraftwerke laufen nur so lange, bis der Ausbau der erneuerbaren Energien sie überflüssig macht." Konkrete Zahlen zur Verlängerung der Laufzeiten will der Minister dem Bericht zufolge erst nennen, wenn mögliche Ausbaupfade für Ökoenergieträger feststehen. Grundlage der Überlegungen sollten Energieszenarien sein, die Röttgen und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in den nächsten Wochen gemeinsam berechnen lassen. Die Ausschreibungen für die Studien liefen schon, sagte ein Regierungssprecher.

Scharfe Kritik an der Debatte über Laufzeitverlängerungen und Energieszenarien äußerte die Fraktionschefin der Grünen im EU-Parlament, Rebecca Harms. Sie warf der Bundesregierung vor, lediglich die Profitinteressen der Stromkonzerne zu verfolgen.