Schweinegrippe: Einigung mit Pharmakonzern

Länder dürfen Impfstoff wieder abbestellen

Die Infektionszahlen sinken, doch das Robert-Koch-Institut gibt keine Entwarnung: "Das Virus ist noch unter uns."

Hamburg. Aufatmen in den Landesregierungen: Die Lieferungen des Schweinegrippe-Impfstoffs an die Länder sollen deutlich reduziert werden. Zu dem Ergebnis kam gestern eine Verhandlungsgruppe von Bund und Ländern mit dem Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline (GSK). Man habe "Signale der Kulanz erhalten", einen größeren Teil der überschüssigen Impfstofflieferungen zu stornieren, sagte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Mechthild Ross-Luttmann. Welche Mengen konkret wieder abbestellt werden, wurde zunächst nicht bekannt.

8,33 Euro brutto kostet eine einzelne Impfdosis gegen die Schweinegrippe. 50 Millionen Mal hatten die Bundesländer im Juli diese Impfdosis mit dem Namen Pandemrix beim Hersteller GSK bestellt - für zusammen 416,5 Millionen Euro. So viel Geld hätten sie nicht ausgeben müssen. Die Impfbereitschaft der Bevölkerung blieb weit hinter den Erwartungen von Experten zurück. Und die ursprüngliche Annahme, dass jede Person für ihren vollständigen Schutz zwei Impfungen benötigen würde, entpuppte sich im Herbst als Falscheinschätzung: eine Impfung reicht vollkommen.

So war aus der Bestellung für 30 Prozent der Bevölkerung quasi über Nacht ein Vorrat für 60 Prozent der Deutschen entstanden. Die Länder fürchteten umgehend, auf Kosten in dreistelliger Millionenhöhe sitzen zu bleiben. Die Gesundheitsminister gingen daher mit dem Verhandlungsziel in die Gespräche, nur noch die Hälfte der ursprünglich 50 Millionen bestellten Impfdosen abnehmen zu wollen.

Glaxo-Smith-Kline hatte im vergangenen Jahr die ersten 20 Millionen Impfdosen bereitgestellt. Weitere 30 Millionen sollten bis zum Frühjahr folgen. Zwar sind darüber hinaus die Krankenkassen per Rechtsverordnung verpflichtet, die Kosten für bis zu 35 Millionen gesetzlich Versicherte zu übernehmen. Sie müssen aber erst zahlen, wenn die Impfung tatsächlich erfolgt.

Verhandlungsführerin Ross-Luttmann warf in diesem Zusammenhang auch dem Bund vor, er bemühe sich zu wenig, nicht gebrauchten Impfstoff ins Ausland zu verkaufen. Der Bund habe die Länder sogar drängen wollen, noch mehr Impfstoff zu bestellen, kritisierte die Ministerin. Niedersachsen setze auf eine Doppelstrategie, so die Ministerin. Zum einen verhandele man darüber, nicht alle Dosen abnehmen zu müssen. Zum anderen sollen schon erhaltene Dosen an Länder verkauft werden, in denen noch Bedarf bestehe. Laut "Zeit Online" gab es bereits erste Anfragen - etwa aus dem Iran, dem Kosovo, der Ukraine und der Türkei.

Als Konsequenz aus den Erfahrungen mit der groß angelegten Immunisierung gegen das H1N1-Virus mahnte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, eine bessere Planung solcher Aktionen an. Die Kritik an der Impfmaßnahme nannte er allerdings "eine typisch deutsche Diskussion". Man habe bei der Vorbereitung der Impfung das "gesunde Mittelmaß zwischen Überreaktion und zu wenig Aktionismus gewählt", sagte der CSU-Politiker der "Leipziger Volkszeitung". An diesem Mittelweg solle die Bundesrepublik festhalten.

Trotz der weiter sinkenden Infektionszahlen bei der Schweinegrippe hält der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker, die Impfungen weiterhin für sinnvoll. Er sagte im ARD-"Morgenmagazin", bislang habe es in Deutschland 159 Todesfälle gegeben. "Das Virus ist noch unter uns." Mann könne "nicht ausschließen, dass das Virus im Februar oder März noch einmal wiederkommt". Vor allem chronisch Kranke und Medizinpersonal sollten sich impfen lassen. Es sei richtig, dass das Medikament Pandemrix schnell entwickelt und zugelassen worden sei und jetzt zur Verfügung stehe.