Kommentar: Empörung über Minarett-Verbot

Gruezi, Herr Erdogan

| Lesedauer: 2 Minuten
Karl Günther Barth

Das war so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Entscheidung des eigentlich so sympathischen Bergvölkchens, den Bau von Minaretten ausgerechnet im Land des Freiheitshelden Wilhelm Tell zu verbieten, hat einen weltweiten Proteststurm ausgelöst.

Das war so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Entscheidung des eigentlich so sympathischen Bergvölkchens, den Bau von Minaretten ausgerechnet im Land des Freiheitshelden Wilhelm Tell zu verbieten, hat einen weltweiten Proteststurm ausgelöst. Hallo Schweiz, endlich wach geworden? Von einem "Ausdruck einer wachsenden rassistischen und faschistischen Haltung in Europa" wütet der türkische Regierungschef Erdogan. Das ist so dumm wie das Ergebnis des Volksentscheids der Eidgenossen - und genau das Niveau, auf dem sich eine dumpfe Angst vor Islamismus einerseits und islamistischer Scharfmacherei andererseits treffen.

Bei Türken-Premier Erdogan ist das schon sehr peinlich. Sein Ausfall in Davos gegen Israel und seinen Präsidenten Peres ist ebenso unvergessen wie der Völkermord an den Armeniern in Anatolien. Er war die erste "ethnische Säuberung" des Jahrhunderts - eine Entschuldigung des Staates oder seines Premiers blieb bis heute aus. Andererseits: Die wenigsten wissen, dass der Staatsgründer der Türkei, Kemal Atatürk, der Erfinder des Kopftuchverbots war.

Der Bau von Moscheen ist Teil der Religionsfreiheit, wie sie auch bei uns im Grundgesetz speziell und in den Menschenrechten generell verankert ist. Zum Dialog der Religion und Kulturen gehört daher auch, dass alle Seiten offen miteinander umgehen, reden und ringen. Zum Beispiel über die Verfolgung von Christen in islamischen Ländern wie Irak und Iran, Pakistan und Ägypten. Zu den Menschenrechten, die für alle gelten und unverhandelbar sein sollten, gehören auch nicht das Steinigen von Frauen für Ehebruch oder das Auspeitschen für das Tragen einer Hose, wie es in einigen islamischen Ländern offizielles Gesetz ist. Selbstgerechtigkeit steht uns Europäern nicht an. Erst 1971 hat die Schweiz das Frauenwahlrecht eingeführt. Zehn Jahre nach Afghanistan.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Deutschland