Forsa-Umfrage "Sicherheit in Deutschland"

Deutsche haben mehr Angst vor Arbeitslosigkeit als vor Terror

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Arbeitslosigkeit finden die Deutschen bedrohlicher als Gewalt in der Gesellschaft oder Terroranschläge. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Beamtenbundes (dbb) zur "Sicherheit in Deutschland".

Hamburg. Danach hinterlässt die Wirtschaftskrise deutliche Spuren in den Gemütern der Menschen. Auf die Frage, was sich für das Leben der einzelnen Menschen in Deutschland bedrohlich auswirken könnte, nannten 86 Prozent die Arbeitslosigkeit an erster Stelle. Vor zwei Jahren waren es nur 80 Prozent gewesen. Im Jahr 2007 rangierte noch die Angst vor Gewalt bei den Menschen ganz vorn. Diese landete diesmal mit einem Minus von drei Prozentpunkten mit 80 Prozent auf Platz zwei.

Vor sozialer Ungleichheit fürchten sich 74 Prozent der Befragten und vor Alltagskriminalität 73 Prozent. Dies ist ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber 2007. Die Angst vor Terroranschlägen hat hingegen deutlich abgenommen. Mit acht Prozentpunkten weniger fürchten sich davor noch 58 Prozent und nur ein Viertel hält den Zuzug von Ausländern - jahrelang ein großes Problem für das Sicherheitsgefühl der Bürger - für bedrohlich.

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte, Terror sei für die Menschen im Vergleich zur Alltagskriminalität eher abstrakt. Dass die Angst vor Überfällen, Diebstählen und Krawallen aber eher diffus ist, lässt sich an dem weit verbreiteten Empfinden, die Kriminalität sei gestiegen, ablesen. 61 Prozent glauben das. Tatsächlich aber sank die Zahl der registrierten Straftaten um 2,7 Prozent.

Geht es um die Kriminalität selbst, dann fühlen sich die Menschen zuallererst von der Gewalt an Schulen, dann von Kindesmisshandlungen, Betrügereien und rechtsextremistischer Gewalt bedroht. Während aber 74 Prozent sich vor Betrug fürchten, haben 22 Prozent ihn auch wirklich erlebt. Auch wenn sich 89 Prozent der Bürger an ihrem eigenen Wohnort sicher fühlen, ist dennoch das Vertrauen in den Staat bei der Bekämpfung von Kriminalität nicht besonders ausgeprägt. Zwei Drittel meinen, es werde nicht genug dafür getan. Nur 38 Prozent meinen, die Polizei könne die Kriminalität wirksam bekämpfen, und es gebe auch zu wenig Polizisten (67 Prozent) in Deutschland. Um sie zu entlasten, meint etwa die Hälfte der Bürger, der Schutz von Wohnvierteln und Gebäuden könnte auch von privaten Sicherheitsfirmen übernommen werden. 39 Prozent halten das auch bei Großveranstaltungen für angebracht. Der dbb-Vorsitzende Peter Heesen verwies deswegen darauf, dass sich die Bundesländer die Unterstützung mit Polizeiverbänden bei Großveranstaltungen untereinander bezahlen. Fußballvereine aber "werfen mit Millionen für Spieler um sich" und gingen selbstverständlich davon aus, dass sie den Polizeischutz umsonst bekämen. Das müsse hinterfragt werden. Außerdem forderte er 10 000 neue Stellen für die Polizei. Das sei ein "Muss" für die kommenden Jahre.

Neben einer höheren Polizeipräsenz befürwortet mehr als ein Drittel der Befragten zur Steigerung der Sicherheit auch härtere Strafen und mehr Überwachung. So meinen 73 Prozent, dass eine vollständige Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen, Flughäfen, Stadien und großen Einkaufszentren richtig wäre. Um Kriminalität im Internet zu bekämpfen, würde auch die große Mehrheit von 75 Prozent auf bestimmte Datenschutzrichtlinien verzichten, damit etwa Kinderpornografie oder Rechtsextremismus im Internet verhindert werden könnten.