Verfassungsschutz

Fall Buback: Sohn fordert Aktenfreigabe

Der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback hält Ex-RAF-Terroristin Verena Becker mit höchster Wahrscheinlichkeit für die Todesschützin seines Vaters.

Frankfurt/Main. Das sagte Michael Buback der "Bild"-Zeitung .In der vergangenen Woche hatte die Bundesanwaltschaft bekannt gegeben, dass am damaligen Bekennerschreiben zum Buback-Mord DNA-Spuren von Becker gesichert wurden.

Buback verlangt nun von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), die seit 28 Jahren bestehende Sperrung der Verfassungsschutz-Akten Verena Beckers aufzuheben: "Ich fordere Bundesinnenminister Schäuble auf, die Verfassungsschutz-Akten endlich vollständig an die Bundesanwaltschaft herauszugeben."

Hintergrund ist ein erneutes Ermittlungsverfahren gegen Becker. Sie hatte 1981 beim Verfassungsschutz über die RAF ausgesagt und war wegen anderer Taten bei der Rote-Armee-Fraktion, nicht aber im Mordfall Buback verurteilt worden. Schon 1989 wurde sie begnadigt. "Verena Becker war mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Tatbeteiligte bei dem Karlsruher Attentat", sagte Buback gestern.

Schon 1982 waren Verfassungsschutz-Akten des Falls Buback an die Bundesanwaltschaft übergeben worden, die dann von der Bundesregierung gesperrt wurden. Die Akten sind inzwischen bei der Bundesanwaltschaft nicht mehr auffindbar.

Bereits nach dem Anschlag auf Buback und seine zwei Begleiter war gegen Becker ermittelt worden, das Verfahren wurde aber eingestellt. Als Haupttäter galten lange Zeit Christian Klar, Knut Folkerts und Günter Sonnenberg. Allerdings eröffnete die Bundesanwaltschaft nach Aussagen des RAF-Aussteigers Peter-Jürgen Boock das Ermittlungsverfahren gegen Becker erneut.

Buback ist überzeugt, dass Becker am Tattag in Karlsruhe war. Denn bei ihrer Festnahme danach wurden die Tatwaffe und ein zum Tatmotorrad passender Schraubendreher gefunden. Allerdings kam die Bundesanwaltschaft bislang nicht zu dem Ergebnis, dass Becker direkt beteiligt war. Auch jetzt erklärte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, dass sie zunächst keine Einsicht beantrage. Beim derzeitigen Stand der Ermittlungen gebe es hierzu keinen Anlass, sagte ein Sprecher

Chefermittler Rainer Griesbaum sagte im Dezember 2008, es gebe gewichtige Hinweise, die gegen Becker als Täterin sprächen. Zeugen machten bei erneuten Befragungen widersprüchliche Aussagen. Becker, die in den 80er-Jahren mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeitete, sagte nie etwas über eigene Taten bei der RAF. Sie lebt heute unerkannt unter neuem Namen. .