Zusatzbeiträge für Krankenkassen

Die Schweinegrippe als Ausrede

Britta Hesener

Das Schweinegrippe-Virus breitet sich immer weiter aus. Mehrere Hundert Deutsche erkranken täglich neu. Auf Deutschland kommen Impf-Kosten von bis zu 600 Millionen Euro zu.

Die gesetzlichen Krankenkassen schreien auf, sie könnten solche Beträge auf keinen Fall, wie von Bund und Ländern gefordert, alleine schultern. Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) warnt bereits, Zusatzbeiträge erheben zu müssen.

Zusatzbeiträge? Da war doch was. Richtig: Sie sollten als Gradmesser dafür dienen, wie gut eine Krankenkasse wirtschaftet, und so den Wettbewerb fördern. Kommt eine Kasse nicht mit dem ihr zugewiesenen Geld aus dem Gesundheitsfonds aus, muss sie einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen. Denen steht es dann offen, zu einer anderen Kasse zu wechseln.

Alle haben den Zusatzbeitrag entsprechend gemieden wie der Hypochonder die Diagnose. Stellen sie sich damit doch gleichsam als schlechte Haushalter dar. Erst in den vergangenen Wochen haben sich einige Kassenfunktionäre aus der Deckung gewagt und angedroht, ihn wegen der Krise erheben zu müssen. Von der Schweinegrippe war da allerdings noch nicht die Rede.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Krankheit lediglich zum Vorwand für die Krankenkassen wird. Eine Pandemie bietet sich wunderbar als Ausrede an. Bedrohlich und unberechenbar, wie sie ist. Ja aber, fragt man sich, kalkulieren die Kassen solch angeblich unvorhersehbare Risiken nicht ein? Schwer zu glauben. Jedes gut wirtschaftende Unternehmen sorgt in guten Zeiten für schlechte vor, es bildet Rückstellungen. Tut es dies nicht, hat es ein Problem. Die Krankenkassen haben eines, das haben sie bereits angedeutet. Sie sollten es auch ehrlich zugeben - und nicht davon ablenken.

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