Kommentar: Mord an Ägypterin in Dresden

Ein Einzelfall, kein Kampf der Kulturen

Sylvia Wania

Es ist ein bestialischer Mord. Mit 18 Messerstichen hat ein 28-jähriger Russlanddeutscher die junge Ägypterin Marwa al-Sherbini in einem Dresdner Gerichtssaal niedergemetzelt.

Tatmotiv: Ausländerhass. Ein Verbrechen, das auf das Schärfste zu verurteilen ist - und das durch Proteste gegen eine angebliche Islamfeindlichkeit der Deutschen eine bedrohliche Eigendynamik gewinnt.

Dabei ist es völlig unzulässig, von einem russisch-stämmigen Einzeltäter, der erst seit sechs Jahren in Deutschland lebt, auf Millionen friedliebende Deutsche zu schließen. Umgekehrt verbietet es sich ebenso selbstverständlich, von Osama Bin Laden auf Millionen friedliebende Muslime zu schließen. Der Fall zeigt allerdings, wie die teils hysterisch geführten Debatten um Moscheebauten, Kopftücher und Mohammed-Karikaturen die Atmosphäre zunehmend vergiften. Das aber spielt allein jenen rechtsextremen Scharfmachern und islamistischen Hasspredigern in die Hände, die einen Kampf der Kulturen kaum erwarten können.