Dritter Fall in wenigen Wochen - Bahn zeigt sich "betroffen"

Wieder Minderjährige aus Zug geworfen

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So langsam bekommt die Bahn-Führung ein Problem: Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen ist eine Minderjährige aus einem Zug der Deutschen Bahn geworfen worden, weil sie keine gültige Fahrkarte dabei hatte. Eine Schaffnerin zwang am Montag eine 14-Jährige, die in einem Regionalzug von Berlin-Spandau aus auf dem Weg zur Schule war, zum Aussteigen, wie ein Bahnsprecher am Dienstag sagte.

Berlin. Er bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Zeitung". Danach hatte das Mädchen nur ein Freizeitticket bei sich und nicht gewusst, dass dieses erst nachmittags gültig ist. Für den erforderlichen Aufpreis habe sie nicht genug Geld dabei gehabt.

Die Deutsche Bahn sei "sehr betroffen" über die jüngsten Vorfälle, sagt der Sprecher. "Wir nehmen das sehr ernst." Kinder seien wie Schutzbefohlene zu betrachten, und den Zugbegleitern komme "eine gewisse Fürsorgepflicht" zu. Als Konsequenz aus den neuesten Vorfällen habe das Unternehmen am Dienstag alle rund 750 Mitarbeiter im Bereich Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nochmals per SMS auf die gültige Regelung hingewiesen. Demnach dürfen Minderjährige "unter keine Umständen des Zuges verwiesen werden". Stattdessen müssten die Zugbegleiter die Personalien aufnehmen und sich die Angaben notfalls über ihr Diensthandy von den Eltern bestätigen lassen.

Erst am Freitag war eine 13 Jahre alte Schülerin im brandenburgischen Wittstock aus dem Zug gesetzt worden, weil sie ihre Monatskarte und ihr Portemonnaie vergessen hatte. Der Schaffner soll sich geweigert haben, die Eltern des Mädchens von seinem Diensthandy aus anzurufen. Mitte Oktober musste eine Zwölfjährige in der Nähe von Rostock einen Zug an einem menschenleeren Bahnhof verlassen und in der Dunkelheit zu Fuß nach Hause laufen.

Der Bahnsprecher betonte, die Deutsche Bahn habe sich bei den Betroffenen entschuldigt und mit den Eltern gesprochen. Die beiden Schaffner, die für die Vorfälle in Wittstock und Rostock verantwortlich gewesen seien, seien mittlerweile vom Dienst freigestellt. Der Fall in Berlin-Spandau werde "genauso gehandhabt". In Schulungen für Zugbegleiter werde der Umgang mit Minderjährigen ab sofort gesondert besprochen. Zudem müssten künftig alle Zugbegleiter eine entsprechende schriftliche Weisung quittieren.

( afp )

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