Tierschützer fordern Käfigverbot für Kaninchen

Grausam: Neuer Skandal um Kaninchenhaltung

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Eine Tierschutz-Stiftung und eine TV-Redaktion haben schreckliche Zustände in Kaninchen-Mastbetrieben aufgedeckt. Die Käfigbatterien befinden sich in Deutschland, Frankreich und Ungarn und liefern an Schlachthöfe, Rewe und Edeka.

Hamburg. Neuer Skandal um Kaninchenhaltung: Die Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN und Stern TV haben grausame Zustände in Kaninchen-Käfigbatterien aufgedeckt. Die Mastbetriebe befinden sich in Deutschland, Frankreich und Ungarn; sie liefern an Schlachthöfe, Rewe und Edeka.

Kurzzeitig wurde 2007 Kaninchenfleisch ausgelistet, nachdem die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN die Zustände in den Käfigbatterien aufdeckte und die Konsumenten ihre Empörung zum Ausdruck brachten. Allerdings dauerte es nicht lange, bis Kaninchenfleisch wieder in den Supermärkten erhältlich war. Rewe und Edeka verpflichteten sich öffentlich, die Zustände in den Mastanlagen zu verbessern.

Die aktuellen Bilder belegen aber, dass sich nichts geändert hat. In einer der Zulieferanlagen des größten ungarischen Kaninchen-Schlachthofes, BÁCSKA Agrßrpari Rt (EWG Nummer HU115), stapeln sich die Exkremente seit Monaten unter den Käfigen. Mittlerweile reichen die Kothaufen sogar bis in die Käfige, die auf zirka Hüfthöhe angebracht sind. In den Gängen der Anlage watet man durch Gülle-Seen.

Kein Wunder also, dass die Tiere verätzte Augen und diverse, oft tötliche Krankheiten aufweisen. Einige der Kaninchen haben zudem gravierende Verletzungen - ein Nebeneffekt der Käfighaltung, die aus den sonst sozialen Lebewesen aggressive Tiere macht, die sich gegenseitig zerfleischen. Dies ist auf die Reizarmut und den Stress der Käfighaltung zurückzuführen. Die toten Opfer dieser Gewalt und der Krankheiten bleiben in den Käfigen liegen. Der Schlachtof BÁCSKA Agrßrpari Rt (HU115) beliefert REWE und EDEKA.

Schwere Verletzungen, wie abgebissene oder verstümmelte Ohren, wurden aber nicht nur in Ungarn sondern auch in Deutschland dokumentiert. In die abgedunkelten Fenster kann kein Konsumet blicken und die Kaninchenbatterie sehen. Die Tiere sind im Betrieb auf zwei Etagen in Batteriekäfigen ohne Abwechslung eingepfercht. Nachdem VIER PFOTEN die Supermarktkette Kaufland mit den Bildern konfrontierte, erklärte diese sich bereit, nach Alternativen zur Käfighaltung zu suchen.

Auch Frankreich bleibt nicht von dem Skandal verschont. Die Handelskette EDEKA bezieht das Kaninchenfleisch von dem Schlachthof Bretagne Lapin. In zwei der Zulieferbetrieben werden die Kaninchen auf engstem Raum gehalten. Auch hier zeigen die Aufnahmen die gleichen Grausamkeiten. In den Käfigen befinden sich schwer verletzte und tote Tiere. In den ungarischen und französischen Farmen lagern zudem große Mengen Medikamente.

Die Möglichkeit, die Herkunft des Kaninchenfleisches zu überprüfen, endet für die Kunden im Supermarktregal - was sich in den Mastanlagen der Industrie abspielt, soll keiner erfahren.

Kaninchen können in Käfigen nicht artgerecht gehalten werden. Eine Verlustrate von 25 Prozent in der Kaninchenmast ist Standard, im Vergleich zu zwei bis fünf Prozent bei anderen industriellen Tierhaltungen. VIER PFOTEN fordert Industrie und Politik auf, endlich die Grausamkeit der Käfighaltung für Kaninchen zu beenden. Die Lebensmittelketten müssen Verantwortung übernehmen, die vorsätzliche Täuschung beenden und ihre Kunden zumindest ehrlich über die Herkunft der Kaninchen informieren. Gleichzeitig sollte sich die Politik ein Beispiel am Nachbarland Österreich nehmen: Ab 2012 ist in der Alpenrepublik Käfighaltung für Fleischkaninchen ausnahmslos verboten.

( abendblat.de )

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