Unmut im Bundestag über Papst-Einladung

BERLIN. In den Bundestagsfraktionen herrscht Irritation über die Einladung von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) an Papst Benedikt XVI., vor dem Parlament zu sprechen. Lammert habe es versäumt, die Fraktionen über die Einladung zu informieren und das Vorhaben abzustimmen, hieß es gestern aus Fraktionskreisen in Berlin. Lammert wurde aufgefordert, dem Ältestenrat sein Vorhaben zu erläutern.

Der Bundestagspräsident hatte im August den Papst eingeladen, im kommenden Jahr vor dem Bundestag zu sprechen. Anlass ist der 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge, mit denen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft begründet wurde.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche, das gleichzeitig das Staatsoberhaupt des Vatikans ist, soll eine Rede über die kulturelle Identität Europas halten. Es wäre das erste Mal, dass ein Papst vor dem Bundestag spräche.

Für derartige Einladungen gibt es kein formelles Verfahren. "Der Bundestagspräsident wird aber noch in dieser Woche Präsidium und Ältestenrat über die Einladung an den Papst informieren", sagte Claus Hinterleitner, Pressereferent des Bundestages, dem Abendblatt.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, sagte: "Wenn der Papst vor dem Bundestag spricht, dann tut er das als Staatsoberhaupt. Er darf sich aber nicht in die deutsche Innenpolitik einmischen und Themen wie die Aids-Prävention, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und Abtreibungsregelungen kommentieren."

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