Das Parlamentarische Schimpfbuch und sein Autor

Zum Glück wird alles, was im Bundestag gesprochen wird, penibel dokumentiert. Die Sitzungsprotokolle des Bundestags waren für den Berliner...

Zum Glück wird alles, was im Bundestag gesprochen wird, penibel dokumentiert. Die Sitzungsprotokolle des Bundestags waren für den Berliner Journalisten Günter Pursch eine wahre Fundgrube. 240 000 Seiten hat der frühere leitende Redakteur der Wochenzeitung "Das Parlament" durchgesehen, um für die Sammlung seiner Stilblüten und Geistesblitze aus 60 Jahren Bundestag die originellsten herauszufiltern. "Das Parlamentarische Schimpfbuch" (Herbig Verlag, 303 Seiten, 19,95 Euro) versammelt - sortiert nach verschiedenen Themenkomplexen - Bonmots und sprachliche Ausrutscher im Parlamentsbetrieb.

Pursch, der bereits 1975 mit der Sammelei der schrägen Statements begann, führt auch penibel darüber Buch, wie oft Abgeordnete im Bundestag wegen parlamentarischer Unflätigkeiten einen Ordnungsruf des Bundestagspräsidenten kassieren: "Das linke Lager führt beträchtlich. Die FDP würde noch nicht mal die Fünf-Prozent-Hürde überspringen. Die Parlamentarier der CDU/CSU haben bislang 19 Prozent aller Ordnungsrufe provoziert", sagte er gestern bei der Buchpräsentation in Berlin. In dieser Legislatur habe es aber insgesamt nur drei gegeben: "Das war zu Zeiten der ersten Großen Koalition ähnlich", so Pursch. Bundestags-Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt (CSU) lobte: "Das Buch bestätigt: Parlamentarier sind Menschen aus dem Volk. Und Parlamentsdebatten sind alles andere als langweilig."

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