Lafontaines Comeback stockt

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Machtkampf bei der Kandidatur um den Linken-Vorsitz mit Fraktionsvize Dietmar Bartsch

Berlin. Rund zwei Wochen vor dem Wahlparteitag der Linken ist kein Ende des Machtkampfs um die künftige Führung in Sicht. Auch ein Krisentreffen von Bundestags-Fraktionsvize Dietmar Bartsch mit dem früheren Parteichef Oskar Lafontaine und dem jetzigen Linken-Vorsitzenden Klaus Ernst brachte keine Lösung.

Zwar ist Bartsch bisher der einzige offizielle Kandidat für das Spitzenamt - schon vor Wochen hatte er sich hierzu erklärt. Allerdings hat Lafontaine ebenfalls angekündigt, für das Amt als Parteichef bereitzustehen - jedoch nur, wenn es keinen Gegenkandidaten gibt. Bartsch müsste also den Rückzug antreten, ist dazu aber weiter nicht bereit. "Ich wäre bereit, diese Aufgabe noch einmal zu übernehmen, wenn es gelingt, eine kooperative Führung aufzubauen", sagte Lafontaine bei einer Parteikonferenz in Berlin. Allerdings nur mit einem Team, das "auf das gegnerische Tor" schieße und nicht auf das eigene. Einer Kampfkandidatur gegen Bartsch wolle er sich auch deshalb nicht stellen, weil sie sehr viel Kraft koste, betonte Lafontaine. Der Parteivorsitz ist außerdem die Grundvoraussetzung dafür, die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl im Herbst 2013 zu übernehmen.

"Diese Entwicklung freut mich überhaupt nicht", sagte Parteichef Ernst gestern zu der hitzigen Diskussion. Er unterstützt Lafontaine offen, hat Bartsch jedoch nicht direkt aufgefordert, seine Kandidatur zurückzuziehen. "Wenn die destruktiven Kräfte sich durchsetzen, wird die Linke schwächer sein, als die PDS je war", mahnte er stattdessen.

Hamburgs Linken-Fraktionschefin Dora Heyenn warnte unterdessen vor einer anderen Gefahr. Wenn so weitergemacht werde, könnten "am Ende des Parteitages viele Mitglieder sich aus der politischen Arbeit zurückziehen oder - schlimmer noch - aus der Partei austreten", sagte sie dem Abendblatt. Das könne sich die Linke nicht leisten.

Zur künftigen Doppelspitze muss mindestens eine Frau gehören. Wer das sein könnte, ist noch offen. Lafontaines Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht bekräftigte ihr Nein zu einer Führung mit Bartsch. Ernst berichtete gestern, er stehe mit mehreren Frauen in der Partei im Gespräch.

( (pau) )