Deutsche Polizisten greifen seltener zur Dienstwaffe

Zahl der Warnschüsse sinkt 2009 auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren

Berlin/Hannover. Trotz wachsender Gewalt gegen Polizisten in Deutschland bleiben die Beamten beim Griff zur Dienstwaffe besonnen. Die Zahl der Fälle, in denen Polizisten im Ernstfall Warnschüsse abfeuerten, sank mit 51 im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Das belegen Zahlen für die Innenministerkonferenz (IMK).

Demnach mussten die Polizisten 2009 in 33 Fällen direkt auf Menschen schießen, teilte das Innenministerium in Hannover mit. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren wenig, nur 2006 zeigt die Statistik mit 27 Fällen eine kleinere Zahl. Die 33 Fälle mit gezielten Schüssen aus dem vergangenen Jahr kosteten sechs Menschen das Leben. Das ist statistisch in etwa der Durchschnittswert in den seit 1998 erhobenen Daten.

Die Zahl der von Polizeikugeln verletzten Menschen fiel diesmal mit 21 Fällen ebenfalls sehr klein aus. Nur in den Jahren 2006 und 2008 hatte es mit 15 Fällen noch weniger Verletzte gegeben. Der Höchstwert stammt aus 1998, als Polizeikugeln 42 Menschen verletzten. Am häufigsten schossen deutsche Polizisten 2009 wie auch in den Vorjahren aus Notwehr: 27 der 33 Fälle fallen in diese Kategorie.

Weitere Gründe für den Ernstfall liegen beispielsweise vor, wenn Polizisten nur mit der Dienstwaffe ein Verbrechen verhindern, einen Flüchtigen stoppen oder eine Gefangenenbefreiung vereiteln können. Weitaus häufiger mussten Polizisten 2009 auf Tiere schießen: In Niedersachsen starben 955 Tiere durch eine Polizeikugel.

Die sowohl von der Polizei als auch von der Politik beklagte wachsende Gewalt gegen Beamte scheint in der Statistik keinen Niederschlag zu finden. "Obwohl unsere Kolleginnen und Kollegen immer größeren Gefahren ausgesetzt sind, reagieren sie ausgesprochen umsichtig und alles andere als schießwütig", sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt.