Hartes Vorgehen der Polizei

Viele Festnahmen bei Protesten gegen Lukaschenko in Belarus

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Demonstranten mit Mund-Nasen-Schutz tragen bei einer Kundgebung in Minsk, auf der sie den Rücktritt von Machthaber Lukaschenko fordern, Fahnen in den Farben der früheren belarussischen Nationalflagge.

Demonstranten mit Mund-Nasen-Schutz tragen bei einer Kundgebung in Minsk, auf der sie den Rücktritt von Machthaber Lukaschenko fordern, Fahnen in den Farben der früheren belarussischen Nationalflagge.

Foto: dpa

Die Proteste in Belarus dauern seit fast 4 Monaten an. Die Demonstranten fordern bei ihren Märschen den Rücktritt Lukaschenkos, der schon mehr als 26 Jahre an der Macht ist. Auch heute gingen wieder viel Menschen auf die Straße. Es gab zahlreiche Festnahmen.

Minsk. Bei Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko sind Sicherheitskräfte in Belarus (Weißrussland) gegen Demonstranten vorgegangen. Videos im Nachrichtenkanal Telegram zeigten am Sonntag, wie Menschen in der Hauptstadt Minsk vor vermummten Einsatzkräften wegliefen.

Zu sehen war zudem, wie Demonstranten abgeführt wurden und Polizisten mitunter auf sie einschlugen. Die Behörden am Abend sprachen von mehr als 300 Festnahmen, ebenso viele wie in der Vorwoche. Das Menschenrechtszentrum Wesna listete zunächst die Namen von mehr als 230 Festgenommenen auf. Bei den seit Mitte August andauernden Sonntagsprotesten kommt es regelmäßig zu Massenfestnahmen. Schätzungen zufolge kamen zwischenzeitlich insgesamt mehr als 30 000 Menschen in Polizeigewahrsam.

Tausende Menschen beteiligten sich diesmal an den Aktionen. Sie versammelten sich zunächst in ihren Wohnvierteln und schlossen sich danach zu größeren Gruppen zusammen. Mit dieser Strategie reagierten die Menschen auf die Polizeigewalt. Sie prangerten an, dass die Sicherheitskräfte dafür nicht zur Rechenschaft gezogen würden. Auch in anderen Städten des Landes kam es zu Protesten.

Die Demonstranten fordern bei ihren Märschen den Rücktritt Lukaschenkos, der schon mehr als 26 Jahre an der Macht ist. Viele trugen bei winterlichem Wetter weiß-rot-weiße Fahnen der Opposition. "Dieser Sonntag ist der 18. Sonntag infolge, an dem die Menschen zeigen, dass sie bereit sind, ihre Rechte weiter zu verteidigen", sagte die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja.

Die 38-Jährige war bei der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August gegen den Staatschef angetreten. Der 66-Jährige hatte sich danach mit 80,1 Prozent der Stimmen für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Für die Opposition ist Tichanowskaja die wahre Siegerin. Sie ist ins Ausland geflohen.

Am Sonntagabend nahm die Bürgerrechtlerin an einem Gebet für Belarus im Berliner Dom teil. Sie sagte dabei, die Menschen in ihrer Heimat wollten ihren Protest weiter friedlich fortsetzen. "Wir haben Hoffnung für unsere Zukunft." Erzbischof Heiner Koch sagte in seiner Predigt: "Ihr seid in Belarus nicht allein. Wir stehen zu Euch."

An diesem Montagnachmittag will sie in Berlin Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier treffen. Danach werde sie nach Brüssel weiterreisen und Gespräche mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell und Abgeordneten des EU-Parlaments führen, teilte die Oppositionsführerin mit. "Die wichtigste Aufgabe dieses Besuchs ist es, Gewalt und Gesetzlosigkeit gegen Belarussen zu stoppen."

Am Mittwoch erhält Tichanowskaja den renommierten Sacharow-Menschenrechtspreis des Europaparlaments.

© dpa-infocom, dpa:201213-99-677420/4