Schiff beschlagnahmt

Kapitänin der "Sea-Watch 3" in Italien festgenommen

Ein Schiff der italienischen Küstenwache nähert sich dem Rettungsschiff "Sea Watch 3".

Ein Schiff der italienischen Küstenwache nähert sich dem Rettungsschiff "Sea Watch 3".

Foto: dpa

Kein Land wollte die Flüchtlinge aufnehmen. Kapitänin schuf Fakten und steuerte Schiff nach Lampedusa. Das hat Konsequenzen.

Rom. Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch ist nach dem unerlaubten Anlegen im Hafen der italienischen Insel Lampedusa und der Festnahme der Kapitänin beschlagnahmt worden.

Die Migranten seien von Bord gegangen, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer der Deutschen Presse-Agentur in Rom. Sie waren vor mehr als zwei Wochen vor der libyschen Küste von der Organisation gerettet worden. Seitdem wartete Sea-Watch vergeblich auf die Zuweisung eines sicheren Hafens in Europa.

Unklar, was mit den Migranten passieren soll

Nach mehr als zwei Wochen auf offener See hatte das Rettungsschiff zuvor mit 40 Migranten im Hafen von Lampedusa angelegt. Die Kapitänin der "Sea Watch 3", Carola Rackete, war laut Neugebauer danach von der Polizei festgenommen worden. Neben den Migranten waren 22 Besatzungsmitglieder und mehrere italienische Abgeordnete auf dem Schiff. Was nun mit den Migranten passieren soll, ist unklar. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, hatten sich bereit erklärt, Schutzsuchende aufzunehmen.

Die Kapitänin Rackete war Mitte der Woche trotz Verbots der italienischen Regierung in die Hoheitsgewässer des Landes gefahren. "Ich fahre in italienische Gewässer und ich bringe sie (die Migranten) in Sicherheit auf Lampedusa", hatte sie betont. Laut Sea-Watch-Sprecherin Giorgia Linardi haben sich vier Länder - Deutschland, Portugal, Frankreich und Luxemburg - bereit erklärt, Migranten von dem Schiff zu aufzunehmen.

Notstand ausgerufen

Die Organisation twitterte am Samstagmorgen, man habe vor fast 60 Stunden den Notstand ausgerufen. "Niemand hörte uns zu. Niemand übernahm Verantwortung. Einmal mehr ist es an uns, (...), die 40 Geretteten in Sicherheit zu bringen." Sea Watch-Geschäftsführer Johannes Bayer lobte Rackete: "Wir sind stolz auf unsere Kapitänin, sie hat genau richtig gehandelt. Sie hat auf dem Seerecht beharrt und die Menschen in Sicherheit gebracht", schrieb er auf Twitter.

Am Freitag hatte die italienische Staatsanwaltschaft gegen Rackete Ermittlungen eingeleitet. Vorgeworfen werden ihr laut Linardi unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Verletzung des Seerechts.

Der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Die Grünen) reagierte via Twitter auf die Festnahme. Es mache ihn fassungslos, so Özdemir. Und: "#Salvini & seine Kollegen von der #NoAfD haben es immer darauf abgesehen, die Menschlichkeit in uns zu zerstören".

Zollboot soll Rettungssschiff behindert haben

Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, ein italienisches Zollboot habe versucht, das Rettungsschiff vom Anlegen abzuhalten, es hätte dann aber ausweichen müssen. Neugebauer sagte, man habe die Hafenpolizei informiert, dass das Schiff in den Hafen der sizilianischen Insel fahren werde. "Die Menschen an Bord sind völlig erschöpft und verunsichert." Nun sei man erleichtert, den Hafen erreicht zu haben. Die Menschen sollten schnellstmöglich von Bord an Land und in Sicherheit gebracht werden.

Am 12. Juni hatte die "Sea Watch 3" vor der libyschen Küste 53 Menschen gerettet. 13 von ihnen wurden unter anderem aus medizinischen Gründen bereits in den vergangenen Tagen nach Lampedusa gebracht. Seit gut zwei Wochen wartet die Organisation vergeblich auf eine Erlaubnis, in einen europäischen Hafen zu fahren.

Seit Jahren streiten die EU-Länder über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge. Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini verlangte nun konkrete "Garantien" der aufnahmebereiten Länder, bevor die Menschen von Bord des Schiffes gehen dürften. Daneben sei die Regierung "entschlossen", gegen jeden vorzugehen, der die Gesetze gebrochen habe.