Bosporus-Brücke

Erdogan zwischen Lebensrettung und Presse-Restriktion

Hat seine Augen und Ohren offenbar überall: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dem hier der Dank eines potentiellen Selbstmörders sicher ist

Hat seine Augen und Ohren offenbar überall: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dem hier der Dank eines potentiellen Selbstmörders sicher ist

Foto: dpa

Der türkische Staatschef soll einen Mann im Vorbeifahren vom Selbstmord abgehalten haben. Einem Erdogan-Kritiker droht der Prozess.

Istanbul. Die gute Nachricht zuerst: Recep Tayyip Erdogan soll in Istanbul einem Mann das Leben gerettet haben, indem er ihn von einem geplanten Suizid abhielt. Wie örtliche Medien berichten, habe sich der türkische Präsident gerade im Auto auf dem Weg zum Freitagsgebet befunden, als er auf der Bosporus-Brücke einen Mann sah, der auf dem Geländer stand. Erdogan soll also angehalten, mit dem potentiellen Selbstmörder gesprochen und diesen so von seinem Vorhaben abgebracht haben. Zum Beweis stellte das Pressebüro Bildmaterial zur Verfügung, das Erdogan und den Mann auf der Brücke zeigt.

"Hürriyet"-Chef droht Haft wegen Erdogan-Spott

Weniger pressefreundlich zeigt sich die türkische Regierung in einem anderen Fall. Denn nach Mitteilung der der Zeitung "Hürriyet" droht dem Chefredakteur des Blattes ein Verfahren wegen Beleidigung Erdogans. Grund sei ein Artikel des Journalisten vom September. Dabei solle sich Ergin spöttisch über eine Rede Erdogans zu einem Angriff der Kurdischen Arbeiterpartei PKK auf türkische Soldaten geäußert haben.

Im Falle einer Verurteilung drohen Ergin fünf Jahre Haft. Zwischen „Hürriyet“ und der Regierung war es immer wieder zu Konflikten gekommen. Die „Hürriyet“ gehört zur Dogan-Gruppe und ist eine der größten Zeitungen in der Türkei. Ihre Redaktion wurde im Herbst zwei Mal von einem Mob aus Anhängern der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP angegriffen.

Ergin ist nicht der einzige Fall

Ergin teilt das Schicksal weiterer Journalisten, denen in der Türkei der Prozess gemacht werden soll. So waren vergangenen Monat der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“, Can Dündar, und sein Kollege Erdem Gül verhaftet worden. Ihnen werden unter anderem Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Spionage vorgeworfen. Hintergrund ist ein Bericht vom Sommer über angebliche Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte persönlich Strafanzeige gestellt.