Nach Abdullahs Tod

Befreundete Regierungen rufen 40 Tage Staatstrauer aus

| Lesedauer: 3 Minuten

Nicht nur Saudi-Arabien trauert um seinen König Abdullah. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die über das Twitter-Konto des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi verbreitet werden.

Riad. Die Führer der arabischen Welt haben mit Trauer und Beileidsbekundungen auf den Tod des saudischen Königs Abdullah reagiert. Der König des benachbarten Bahrain, Scheich Hamad, nannte den verstorbenen Monarchen einen weisen Herrscher, der sein Leben seinem Volk, der Nation, der Religion und der Menschlichkeit gewidmet habe, wie die Bahrain News Agency am Freitag berichtete. Bahrain erklärte zudem eine 40-tägige Trauerzeit. Das Königreich ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens.

Auch andere Regierungen riefen Trauerzeiten aus. In Jordanien soll sie 40 Tage dauern, in Ägypten sieben Tage, in den Vereinigten Arabischen Emiraten drei Tage. Der Emir von Kuwait, Scheich Sabah, erklärte, mit Abdullah habe die Welt „einen ihrer großen Männer“ verloren. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete hingegen den Tod Abdullahs nur in zwei Sätzen.

Abdullah bin Abdul Aziz starb am späten Donnerstagabend im Alter von 91 Jahren, wie das nationale Fernsehen berichtete. Der verstorbene Monarch war einer der schärfsten Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad.

Trauerbotschaften auf Twitter

Auch auf Twitter löste Abdullahs Tod eine Flut von Reaktionen aus. „Wir haben heute nicht einen König verloren, wir alle haben einen Vater verloren“, lautete am Freitag ein typischer Tweet der vielen trauernden Saudiaraber. Viele wiesen darauf hin, dass Abdallahs Tod an einem Freitag laut einem Ausspruch des Propheten Mohammed bedeute, dass sein Leben gut geendet habe.

Der gestandene Moderator Abdullah al-Schihri, der die Todesnachricht im Fernsehen verlesen hatte, stellte bei Twitter traurig fest: „Ich habe mir nicht gewünscht, diese Nachricht zu verkünden.“ Auf dem offiziellen Twitter-Account der Armee wurde angekündigt, als Zeichen der Trauer nun drei Tage lang keine Kurznachrichten zu versenden.

Es gab allerdings auch kritischere Töne als Reaktion auf Abdallahs Tod. Über das Twitter-Konto des inhaftierten Bloggers Raif Badawi wurde der Kommentar verbreitet: „Gott vergebe ihm und sei ihm gnädig.“ Der 30-jährige Badawi war zu 1000 Peitschenhieben und zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er immer wieder die Religionspolizei für ihre harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islams kritisiert hatte.

Der deutsche Ableger der Menschenrechtsorganisation Amnesty International richtete in Bezug auf den Blogger einen weiteren Appell an Abdullahs designierten Nachfolger Prinz Salman: „Lasst Raif Badawi frei!“

Vorsichtige Kritik kam auch von den Aktivistinnen, die dafür kämpfen, dass das Autofahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien aufgehoben wird. Zwar posteten sie ein Foto des verstorbenen Monarchen, jedoch fügten sie auch Fotos der Aktivistinnen Ludschain Hathlul und Maisaa Alamudi hinzu, die seit Anfang Dezember in Haft sind. Der Kommentar der Frauenrechtlerinnen lautete: „Für alle Kreaturen, ob groß oder klein – nichts bleibt, als Deine Taten und Dein Grab – und nur Gott bleibt für immer.“

( (HA/afp/dpa) )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Ausland