Proteste gegen Atomkraft in Japan und Deutschland

Regierung in Tokio will einige der 48 stillgelegten Reaktoren wieder anfahren

Tokio/Berlin. Vor dem dritten Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima haben am Sonntag Tausende Menschen in Tokio ein Ende der Atomkraft gefordert. Sie demonstrierten in einem Park der japanischen Hauptstadt und liefen dann zum Parlament. Auch in anderen Städten in Japan waren Kundgebungen gegen Atomkraft geplant. Die japanische Regierung bekundete derweil Interesse, einige der 48 stillgelegten Reaktoren im Land wieder in Betrieb zu nehmen. Die Ölimporte seien in die Höhe geschnellt und das habe der Wirtschaft geschadet, hieß es zur Begründung der Pläne.

In Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) zogen etwa 3000 Menschen in einem Protestzug zum Atomkraftwerk. Auf ihren Plakaten standen Slogans wie „Fukushima ist überall“ und „AKWs jetzt abschalten“. Bei Fessenheim im Elsass kamen Atomkraftgegner auf beiden Seiten der deutsch-französischen Grenze zusammen. Auf sieben Rheinbrücken bildeten sie Menschenketten und forderten so länderübergreifend einen Abschied von der Atomkraft. Auch auf Taiwan gab es Demonstrationen gegen die Atomkraft.

Bei dem schweren Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami am 11. März 2011 wurden mehr als 15.800 Menschen getötet, das Schicksal von mehr als 2600 weiteren ist offiziell ungeklärt. Im Atomkraftwerk Fukushima wurden vier der sechs Reaktoren zerstört. Wegen der radioaktiven Verseuchung wurden Zehntausende Menschen im Umkreis der Anlage evakuiert. Nach wie vor dürfen etwa 50.000 Anwohner nicht in ihre Häuser oder Wohnungen zurück. Viele Menschen in Japan haben ihr Vertrauen in die Regierung verloren, weil sie nicht mehr daran glauben, dass Atomkraft sicher ist. Sie sind besorgt wegen der Auswirkungen der Strahlung auf ihre Gesundheit und insbesondere der ihrer Kinder.