Der nächste Gandhi soll Indien führen

Premier Singh, 81, kündigt Rückzug an und empfiehlt Enkel von Indira Gandhi als Nachfolger

Neu Delhi. Indiens langjähriger Premierminister Manmohan Singh will sich nach den Wahlen spätestens im Mai aus der Politik zurückziehen. „Ich werde den Stab weiterreichen“, sagte der 81-Jährige am Freitag überraschend in Neu Delhi. Er schlug seiner Kongresspartei den Vize-Parteivorsitzenden Rahul Gandhi, 43, als Spitzenkandidaten vor. Der sei für eine Führungsrolle bestens geeignet.

Dieser Rahul Gandhi hat einen beachtlichen politischen Stammbaum: Sein Urgroßvater Jawaharlal Nehru, seine Großmutter Indira Gandhi und sein Vater Rajiv Gandhi waren sämtlich Premierminister des Landes gewesen. Doch sowohl seine Großmutter als auch sein Vater wurden ermordet. Rahuls Mutter ist Sonia Gandhi, Rajivs Witwe. Sie selbst ist Vorsitzende der Kongresspartei.

Sein politisches Debüt hatte Rahul Gandhi im Jahr 2004, als er für die Kongresspartei INC erfolgreich bei den Parlamentswahlen im Unionsstaat Uttar Pradesh kandidierte. Drei Jahre später wurde er von seiner Mutter zum Generalsekretär der Partei erhoben. In den Jahren darauf suchte der als medienscheu geltende Politiker die Nähe zum Volk und zu den Armen des Landes.

Rahul Gandhi war vor Beginn seiner politischen Karriere für eine Unternehmensberatung in London tätig. Der Wirtschaftswissenschaftler studierte unter anderem in Harvard in den USA und hat einen Master-Abschluss der englischen Cambridge University. Im Januar 2013 wurde er zum Vizechef seiner Partei ernannt, wo er sich für eine Verjüngung der Führungsriege einsetzte.

„Ich bin überzeugt, dass eine neue Generation von Politikern diese große Nation erfolgreich durch die unruhigen und unbekannten Wasser globaler Veränderungen führen kann“, sagte Premierminister Singh bei der Ankündigung seines Rückzugs. Seine Regierung habe die Inflation zwar noch nicht in den Griff bekommen und nicht so viele Arbeitsplätze geschaffen wie erhofft, sagte Singh. „Aber der Wachstumsimpuls wird bleiben.“

Singhs Regierung war in den vergangenen Jahren stark in einen Sog von Korruption und Misswirtschaft geraten. Es gab Finanzskandale und Berichte über Günstlingswirtschaft. Singh nannte die Korruption ein Monstrum. Er selbst habe sein Amt aber nie ausgenutzt, um sich zu bereichern oder Angehörige und Freunden zu versorgen.

Singh griff den Kandidaten, der für die Oppositionspartei Bharatiya Janata Regierungschef werden will, scharf an. „Es wäre ein Desaster, wenn Narendra Modi Premierminister würde“, sagte Singh. Modi sei im Bundesstaat Gujarat am Ruder gewesen, als dort bei Unruhen 2002 mehr als 1000 Menschen umgekommen waren. Die meisten von ihnen waren Muslime.