Italien räumt Flüchtlingslager auf Lampedusa

Rom. Nach Berichten über schwere Missstände hat Italien zu Weihnachten das Aufnahmelager für Flüchtlinge auf der Insel Lampedusa nahezu vollständig geräumt. Zuletzt wurden 169 Menschen nach Sizilien oder aufs italienische Festland gebracht. Jetzt halten sich nur noch 17 Ausländer in dem Zentrum auf, das in den vergangenen Monaten mit 1000 und mehr Bootsflüchtlingen überfüllt gewesen war.

Die Regierung von Ministerpräsident Enrico Letta reagierte damit auf einen Bericht des staatlichen Fernsehens RAI, der Millionen Italiener schockiert hatte. Die TV-Bilder zeigten, wie sich Migranten reihenweise nackt an einer Wand aufstellen mussten, um mit einer angeblich desinfizierenden Flüssigkeit, die gegen Krätze helfen soll, abgespritzt zu werden.

In seiner Weihnachtsbotschaft erbat Papst Franziskus in Rom Gottes Segen für die Flüchtlinge: „Gib, dass die Migranten auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben Aufnahme finden. Mögen Tragödien wie die, welche wir in diesem Jahr mit den vielen Toten in Lampedusa erlebt haben, nie wieder geschehen.“ Auch die Kirchen in Deutschland mahnten, Hilfesuchenden Obdach zu gewähren. Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs sagte mit Blick auf die 300 sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge in der Hansestadt: „Ich bin so dankbar für alle, die mit Herzlichkeit sagen: Welcome, bienvenue, willkommen in meiner Heimatstadt!“