Journalistin in Ukraine verprügelt

Präsident Janukowitsch verspricht Aufklärung. EU und die OSZE äußern Besorgnis

Kiew. Die Proteste gegen die Regierung in der Ukraine werden von einem neuen Vorfall überlagert: In der Nacht zu Mittwoch wurde die oppositionelle Journalistin und Aktivistin Tetjana Tschornowol außerhalb der Stadt aus ihrem Auto gezerrt und schwer misshandelt. Die von den Medien schnell verbreiteten Fotos zeigen die junge Frau im Krankenhaus mit violett unterlaufenen Augen und geschwollenem Mund. Die 34-Jährige war noch in der Lage, den Tathergang zu beschreiben. Demnach hatte ein anderes Fahrzeug ihr Auto an den Rand der Straße gedrängt. Die Täter stiegen aus und schlugen wortlos auf sie ein. Inzwischen hat die Polizei die Festnahme von drei der Tat verdächtigen jungen Männern bekannt gegeben. Demonstranten zogen am Donnerstag zum Innenministerium und hielten Fotos der Misshandelten in die Höhe. Auch in anderen Städten gab es Proteste gegen die Gewalttat. Die EU und die OSZE äußerten Besorgnis.

Viele Oppositionelle vermuten eine Verstrickung regierungsnaher Kräfte. Die Partei der inhaftierten Politikerin Julia Timoschenko warf der Regierung vor, zur Einschüchterung „kriminelle Mittel einzusetzen“. In den vergangenen Tagen wurden „drei Fahrzeuge der Opposition in Brand gesteckt, Aktivisten wurden in der Stadt Charkiw angegriffen, und jetzt wurde Frau Tschornowol verprügelt“, hieß es.

Staatspräsident Viktor Janukowitsch, gegen den sich die Bürgerproteste richten, verurteilte die Gewalttat und forderte eine schnelle Aufklärung. Die Polizei teilte mit, sie ermittele in verschiedene Richtungen, auch eine „Provokation“ könne nicht ausgeschlossen werden. Oksana Sabuschko, die bekannteste Schriftstellerin der Ukraine, sagte, sie vermute die Hintermänner beim russischen Geheimdienst. Moskau habe größtes Interesse daran, den Konflikt in der Ukraine weiter zu schüren.

Dagegen hofft die Regierung in Kiew auf ein langsames Abflauen der Proteste. Zwar sollen auf dem zentralen Kiewer Platz Majdan die Proteste bis ins nächste Jahr weitergehen. Doch nach einem Monat in der Kälte, vor dem Jahreswechsel und dem Weihnachtsfest, das die Ostkirchen am 6. Januar feiern, sind viele Demonstranten müde geworden.