Papst legt sich im Interview bei strittigen Fragen nicht fest

Rom. Papst Franziskus gibt nicht gerne Interviews. Neun Monate nach seiner Wahl veröffentlichte nun die italienische Zeitung „La Stampa“ ein Gespräch mit ihm. Auf wessen Seite steht der Papst in der Debatte über die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion? Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hatte bekräftigt, es dürfe keine Ausnahmen geben, auch der Papst könne die kirchliche Lehre in diesem Punkt nicht ändern. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hingegen hatte mitgeteilt, dass Müller die Debatte nicht einfach beenden könne. Der Kardinalsrat, dem Marx angehört, werde das Thema erörtern, der Ausgang der Beratungen sei offen.

Franziskus lässt die Dinge in dem Interview in der Schwebe. Er verwahrt sich allerdings gegen seine voreilige Vereinnahmung durch Befürworter einer Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten. Zugleich vermeidet er eine Festlegung. Der Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener dürfe nicht als Strafe verstanden werden. Viele hätten Passagen seines Lehrschreibens „Evangelii gaudium“ in eine bestimmte Richtung interpretiert. Tatsächlich habe er das Problem an den betreffenden Stellen gar nicht aufgegriffen.

Auf welche Passagen er sich bezieht, blieb offen. Vor allem ein Zitat des heiligen Ambrosius war als Plädoyer für eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen gedeutet worden: Das Abendmahl sei nicht eine Belohnung für Vollkommene, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen. Offenbar will der Papst der Kardinalsversammlung im Februar und den Bischofssynoden 2014 und 2015, die sich mit dem Thema befassen werden, nicht vorgreifen.

Franziskus’ Aussage, dass der Marxismus falsch sei, er aber „viele menschlich gute Marxisten“ getroffen habe, klingt eigentlich selbstverständlich für einen Papst. Nach der Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens Ende November hatten konservative Christen in den USA Franziskus jedoch als Marxisten gebrandmarkt.