Ministerin in Frankreich gibt Vermögen an

Mehr als fünf Millionen Euro geerbt. Regierungsmitglieder müssen Besitz veröffentlichen

Paris. Kurz vor der Veröffentlichung aller Minister-Vermögen in Frankreich haben einzelne Kabinettsmitglieder diesen Schritt bereits vorab vollzogen. Die Ministerin für Senioren, Michèle Delaunay, räumte am Montag ein „sehr bedeutendes“ Vermögen von 5,4 Millionen Euro zusammen mit ihrem Ehemann ein, das zum Großteil ererbt sei. Die Krebsspezialistin und frühere Klinikchefin äußerte in der Zeitung „Sud Ouest“ aber auch ihr Unbehagen über die Offenlegungspflicht: „Die Opposition wird es sich nicht nehmen lassen, das Bild der reichen Sozialistin auszuschlachten.“

Das Vermögen aller 38 Regierungsmitglieder wurde Montag ab 19.00 Uhr im Internet veröffentlicht. Dieser in Frankreich bislang einmalige Vorgang ist Folge des Schwarzgeld-Skandals um Ex-Haushaltsminister Jérôme Cahuzac, der die Öffentlichkeit wochenlang belogen hatte, indem er die Existenz eines heimlichen Auslandskontos bestritt. Cahuzac war im März noch vor dem Eingeständnis seiner Lügen zurückgetreten.

Präsident François Hollande legte sein Vermögen nicht offen – weil er das bereits zu seinem Amtsantritt im vergangenen Mai getan hat. Der Sozialist besitzt demnach Immobilien in einem Gesamtwert von 1,17 Millionen Euro sowie mehrere Bankkonten. Seit Mai vergangenen Jahres habe sich der Vermögensstand „nicht verändert“, mit Ausnahme eines Kontos bei der Société Générale, das von 2790 Euro auf 5500 Euro angewachsen sei. Hollande will künftig auch die Abgeordneten und Senatoren zur Offenlegung ihrer Vermögen zwingen. Dazu soll nächste Woche ein Gesetzentwurf für mehr Transparenz und Moral in der Politik im Kabinett verabschiedet werden.