Washington sendet Flugzeugträger ins Südchinesische Meer

Washington. Inmitten des Inselstreits zwischen China und mehreren Nachbarländern zeigen die USA im Südchinesischen Meer militärisch Präsenz. Sie entsandten den atomar betriebenen Flugzeugträger "USS George Washington" in die Region und verschafften den Gegnern Pekings im Territorialkonflikt damit neuen Auftrieb. In China dürfte der Einsatz allerdings für Verstimmung sorgen.

Vertreter der vietnamesischen Regierung und der Sicherheitskräfte wurden am Wochenende an Bord des Trägers geflogen, ein Schritt, der die wachsende Zusammenarbeit der früheren Feinde unterstrich. China liegt derzeit wegen einiger Inseln im Streit mit Vietnam, aber auch mit den Philippinen, Taiwan und anderen Ländern der Region. Im Kern geht es dabei um Fischereirechte und Rohstoffe. Gleichzeitig schmieden die USA wirtschaftliche und militärische Bündnisse mit kleineren Staaten in der Region, die darin einen Schutz vor der wachsenden Macht der chinesischen Wirtschaft sowie der Marine Pekings sehen.

Die vietnamesischen Abgesandten besichtigten das Schiff mit seiner 5000 Mann starken Besatzung, als dieses durch das Südchinesische Meer navigierte. China selbst hatte am Freitag ein Manöver im Ostchinesischen Meer abgehalten. Dort befindet sich eine Inselgruppe, auf die auch der US-Verbündete Japan Anspruch erhebt.

China beansprucht fast das gesamte Südchinesische Meer für sich. Die USA haben ihre außenpolitische Strategie in Asien zuletzt immer mehr auf die Region konzentriert und erklärt, Washington habe nationales Interesse daran, dort freie Fahrt auf allen Schifffahrtsrouten zu gewährleisten. Die Fahrt der "USS George Washington" vor der Küste Vietnams ist die dritte in den vergangenen drei Jahren. Ziel der Mission sei es, die Beziehungen zu Vietnam zu verbessern und sicherzustellen, dass die USA im Südchinesischen Meer freie Durchfahrt haben, sagte Kapitän Gregory Fenton.

Nur wenige internationale Beziehungen haben für die heutige Welt einen solch entscheidenden Charakter wie das Verhältnis zwischen Washington und Peking. Peking fühlt sich durch die US-Politik in die Enge getrieben und geht zudem davon aus, dass die USA die Strippen beim Inselstreit ziehen. Experten warnen vor dem wachsenden Misstrauen zischen den beiden Supermächten. Das könne durchaus dazu führen, dass Versuche, globale Probleme zu lösen - etwa die Wirtschaftskrise oder Konflikte im Nahen Osten -, zum Scheitern verurteilt sind.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.